Die Reise des Personalmanagers: Bis ans Ende der Welt

Die aktuelle Weltlage schlägt mir nicht erst seit gestern auf den Magen. Daher präsentiert brutstatt.de in loser Folge Filmreviews aus dem Archiv, die sich unter dem Motto #WeltImKrieg beschäftigen. Heute „Die Reise des Personalmanagers“ mit Mark Ivanir von 2011 und einer komplizierten Überführung. Der Text entstand zum Home-Entertainment-Start.

Roadmovies kommen eigentlich nie aus der Mode und irgendwie bilden sie schon fast ein eigenes Filmgenre. „Die Reise des Personalmanagers“ schickt einen Israeli mit einem Sarg nach Osteuropa. Eine Leiche zu überführen wird mit viel Lakonie und Tragikomik beinahe zu einer „Mission Impossible“.

Man kann nicht behaupten, dass der Personalmanager (Mark Ivanir) von Jerusalems größter Bäckerei seinen Job lieben würde. Außerdem liegt er gerade in Scheidung, worauf seine pubertäre Tochter mit schulischer Lustlosigkeit reagiert. Als dann bei einem Selbstmordattentat eine der Leichen nicht zu identifizieren ist und nur eine Lohnabrechnung der Bäckerei bei sich hat, bleibt der Ärger an dem Personalmanager hängen. Nachdem die Aushilfe aus Osteuropa in der Lohnbuchhaltung ausfindig gemacht wurde, begibt sich der Personalmanager auf die Suche nach den Hintergründen.

Schlechte Presse

Seine Chefin, die Witwe des Bäckereigründers, will die Sache schnellstmöglich geklärt wissen und in der Presse möglichst gut dastehen. Also soll die Leiche der alleinstehenden Frau in ihre osteuropäische Heimat überführt werden. Der Personalmanager soll die Leiche überführen, was er als Bestrafung empfindet und auch zu Stress mit seiner Frau führt.

Doch so einfach wie gedacht, gestaltet sich der Transport nicht: Weil der Personalmanager die Papiere unterzeichnet hat, ist er für die Leiche verantwortlich und schon am Zielflughafen gehen die Probleme los, weil kein Transporter zur Verfügung steht. Die israelische Konsulin und ihr Mann, der Vizekonsul stellen notgedrungen den Konsulatswagen zur Verfügung.

Doch auch die Familie der toten Aushilfskraft ist nicht so leicht aufzutreiben. Ihr Ex-Mann hat den Sohn rausgeschmissen und der lebt nun auf der Straße und besteht darauf, dass die Leiche in das Heimatdorf seiner Mutter gebracht wird. Eine Reise von 1000 Kilometern und wegen des Wetters fliegen keine Flugzeuge. Also macht sich der Personalmanager in Begleitung des Vizekonsuls, des Ex-Mannes, des Sohnes und eines israelischen Journalisten mit dem alten Konsulatswagen auf die Reise.

Schlechte Reisebedingungen

„Die Reise des Personalmanagers“ beruht auf dem Roman von Abraham B. Jehoshua und die Figuren bleiben mit Ausnahme der Leiche namenlos wie auch die osteuropäische Heimat nicht weiter benannt wird. Regisseur Eran Riklis („Lemon Tree“, „Aus nächster Distanz“) inszeniert das Roadmovie mit ruhiger Hand und zumeist leisem Humor, der sich aus der Absurdität der Situationen ergibt. Dabei steht die betriebsame Hektik des Personalmanagers, der die Angelegenheit schnell und wenn nötig mit Geld regeln will, immer im Kontrast zu der Unentschlossenheit der anderen Personen und der Gemächlichkeit einer postkommunistischen Gesellschaft, in der Dinge nur mit viel Geduld funktionieren.

Wie ein stetiger Strom erodiert die Reise die geschäftsmäßige Einstellung des Personalmanagers, der sich den Gegebenheiten zu fügen lernt. Mark Ivanir („Schindlers Liste“, „Im Angesicht des Verbrechens“, „Die Saiten des Lebens“) ist nicht nur aufgrund seiner Herkunft die Idealbesetzung für diese Figur. Der international renommierte Schauspieler wurde in der Ukraine geboren und wuchs in Israel auf, bevor er in Hollywood eine internationale Filmkarriere begann. Mit einer stimmigen Mischung aus angespannter Problemlösungsmentalität und einer nach außen dargestellten aber antrainierten Ruhe verkörpert er den Personalmanager in beeindruckender Weise, ohne dabei zuviel vom Innenleben der Figur preiszugeben.

Das israelische Roadmovie „Die Reise des Personalmanagers“ ist filmisch eine wunderbar lakonische Expedition die mit wortloser Weisheit und viel sympathischer Absurdität zu gefallen weiß.

Die Reise des Personalmanagers
OT: The Human Resource Manager
Genre: Drama, Komödie
Länge: 99 Minuten, ISR, 2010
Regie: Eran Riklis
Vorlage: Roman von Abraham B. Jehoshua
Schauspiel: Mark Ivanir, Gury Alfi, Rozina Cambos
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Alamode, Alive
Kinostart: 01.12.2011
DVD-VÖ: 25.05.2012

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar