The Smashing Machine: Ko-Abhängigkeiten

Manche Filmprojekte brauchen ziemlich lange bis zur Realisierung. Es wird kolportiert, das Hollywood-Star Dwayne Johnson im Jahr 2002 fasziniert eine Sport Doku über dem Mixed Martial Arts Kämpfer Mark Kerr gesehen hat und daraus gerne einen Spielfilm machen wollt. Schnellvorlauf bis Herbst 2025 als das Drama „The Smashing Machine“ mit dem ehemaligen Wrestler Johnson und Emily Blunt in den Hauptrollen beim Festival in Venedig gezeigt wird. Nun kommt das Sportdrama ins Home-Entertainment.

Mixed Martial Arts (MMA) ist eine beim Publikum ausgesprochen beliebte Sportart. Dabei werden diverse Kampfkünste kombiniert und quasi alles ist erlaubt. Von Boxen bis Judo, von Ringen bis Capoeira. Dabei gibt es selbstverständlich Regeln, die an dieser Stelle aber egal sind. Auch von nebensächlichem Interesse sind die unterschiedlichen Ligen. Wie auch beim Boxen haben sich unterschiedliche Verbände etabliert, um Titel zu vergeben und den Sport zu vermarkten. Das lässt sich alles auf Wikipedia nachlesen.

Für den Spielfilm „The Smashing Machine“ ist es daher unbedeutend, weil das Drama zwar seinen Handlungsrahmen aus den Kindertagen der MMA bezieht, es sich letztlich aber kaum um einen Sportfilm handelt. Aber dazu später mehr. Mark Kerr, der am Filmende auch noch einen kurzen Epilogauftritt beim einkaufen im heimischen Supermarkt hat, gilt als einer der Pioniere und frühen Stars des beliebten Sports. Jüngst wurde berichtet, dass er demnächst in die Hall of Fame der UFC (Ultimate Fighting Championship) aufgenommen werden soll.

Ende der 1990er Jahre beginnt MMA zu boomen. Mark Kerr (Dwayne Johnson) hat vor die UFC zu verlassen und in der internationalen in Japan aufgebauten Pride-Liga zu kämpfen. In seinem Zuhause bereitet sich Kerr mit seinem Kumpel und Trainer Mark Coleman (Rayn Bader) auf das nächste Turnier vor. Doch die Beziehung mit Freundin Dawn Staples (Emily Blunt) ist kompliziert. Immer wieder werden die Vorbereitungen unterbrochen, weil das Paar streitet.

Der sportliche Weg zurück

Oft genug ist Drogenmissbrauch der Anlass für die Konflikte. Während Mark seinen Körper mit Steroiden unterstützt, ist er abhängig geworden. Dawn ihrerseits ist einem Drink nicht abgeneigt. Beide Substanzen können durchaus ihre Wirkung auf die Stimmung und das Temperament habe. Mark beschließt einen Entzug zu machen. Doch die Verhaltensmuster in der Beziehung wiederholen sich. Zudem gibt es Unstimmigkeiten mit den Organisatoren der Pride-Liga. Doch Mark Kerr arbeitet an seinem Comeback.

MMA bezieht seinen Charme auch daraus, dass höchst unterschiedliche Kampfstile miteinander in Wettstreit treten. Das hat etwas von dem beliebten Computerspiel „Mortal Cobat“, das auch mehr oder minder sehenswert verfilmt wurde. Solcherlei Keilerei-Turniere sind durchaus faszinierend. Mark Kerr nun wieder war eigentlich Ringer und hat sich der MMA verschreiben um professionell damit Geld zu verdienen. Scheinbar sind die Gagen und Preisgelder die heutzutage im diesem Profisport gezahlt werden um ein vielfaches Höher als zu Zeiten Mark Kerrs, der für 200 000 Dollar Preisgeld in den Ring steigt.

Doch wie eingangs erwähnt, geht es weniger darum eine sportliche Geschichte zu erzählen, als vielmehr ein Drama zu erzählen, das den Menschen Mark Kerr in den Mittelpunkt stellt. Vergleichbar ist das eher mit Darren Aronfskys „The Wrestler“ als mit Gavin O’Connors „Warrior“. Letztlich ist die dramatische Exposition und auch das eher schlichte Milieu der Charaktere an ehesten vergleichbar mit David O. Russells Sport-Drama „The Fighter“, das ebenfalls nach realen Vorbildern inszeniert wurde.

Die Suche nach dem gesunden Maß

Dwayne Johnson scheint das Projekt eine Herzensangelegenheit und er scheint für die Rolle prädestiniert. Und dennoch mag „The Smashing Machine“ selten einmal wirklich packen. Das mag auch daran liegen, dass Johnson unter dichtem Make-up und mit lockiger Haarpracht viel von seinem natürlichen Charisma einbüßt. Darstellerisch ist das eine ebenso große Leistung wie Emily Blunts narzistische und manipulative Dawn. Zu packen weiß es selten, wenn Kerr im Film etwa eine japanische Keramik kauft oder mit den Pride-Managern um sein Geld verhandelt.

Filmmacher Benny Safdie wurde bislang vor allem für Filme bekannt, die er bisher im Regieduo mit seinem Bruder Joah Safdie gedreht hat. Beide sitzen quasi zeitparallel nun erstmals alleine auf dem Regiestuhl. Beide haben sich für eine vermeintliche Sport-Story entschieden. Josh inszeniert die fiktionalisierte Geschichte des Tischtennis-Sportlers Marty Reisman, der von Timothée Chalamet gespielt wird. Hierzulande kommt „Marty Supreme“ Anfang Februar in die Kinos, wenn „The Smashing Machine“ sozusagen gerade im Heimkino angekommen ist. Eine erstaunliche Parallele.

Dein Sport oder unsere Liebe?

Es gibt Ursachen, warum „The Smashing Machine“ schwer zugänglich bleibt und nicht wirklich zu packen weiß. Allen voran, ist der Verzicht auf packend choreografierte Kampfszenen durchaus schade, aber im sinne einer Sportfilmverweigerung konsequent. Statt dessen wir aus der Distanz oder in derber Draufsicht gezeigt wie sich die Kämpfer gegenseitig bearbeiten.

Dazu kommt eine seltsam grobkörniges Zeitkolorit, dass deutlich älter wirkt als es für die 90er Jahre angemessen ist. Vielmehr fühlt sich das Publikum in der krisseligen Dokumentarfilm-Optik oft genug in die 70er zurückversetzt. Das mag für jüngere Leute besser funktionieren oder gleichgültiger sein. Mir kommt es unangebracht vor.

Um das auf die Spitze zu treiben, fühlte sich der Rezensent während eines häuslichen Streites zwischen Dawn und Mark an die TV-Serie Dallas erinnert. Überzogenes Schauspiel und überdramatisierte Ehekrise zwischen Sue Ellen und JR., ach nein, zwischen Emily Blunt und Dwayne Johnson vor adobefarbenene Wänden. Und es bleibt die ewige Frage, wie ein Kaktus zu züchten und zu pflegen sei.

„The Smashing Machine“ erzählt die Geschichte des MMA-Profis Mark Kerr, der als Pionier dieser Sportart gilt. Dwayne Johnson weiß in der Rolle zu überzeugen, die Inszenierung des sportvergessenen Dramas weiß es nicht. Zuviele Elemente lassen einen Stimmigen Gesamteindruck immer wieder bröckeln.

Bewertung: 5 von 10.

The Smashing Machine
OT: The Smashing Machine
Genre: Drama, MMA, Sport,
Länge: 123 Minuten, USA, 2025
Regie: Benny Safdie
Schauspiel: Dwayne Johnson, Ryan Bader, Emily Blunt,
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Leonine
Kinostart: 02.10.2025
Digital-VÖ: 16.01.2026
DVD- BD-VÖ: 16.01.2026

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