Die ruhige Komödie „Rental Family“ begleitet einen Amerikaner in Japan. Durch ein eigenwilliges Schauspiel-Engagement bekommt der von Brendan Frazer gespielte „Gaijin“ einen tieferen Einblick in seine asiatische Wahlheimat – und mit ihm das Publikum. Zu sehen ab dem 8. Januar 2026 im Kino.
Gelegentlich holen einen die eigenen Jugendsünden wieder ein. Dann steht man da und muss sich erklären. So passiert es dem peinlich berührten amerikanischen Schauspieler Philip Vanderploeg (Brendan Frazer). Zur Unzeit wird er als das Werbegesicht eines Zahnpast-Spots erkannt und kommt nun in Erklärungsnot.
Dabei hatte alles recht übersichtlich angefangen. Der erfolglose amerikanische Schauspieler kriegt in Japan, wo er seit Jahren lebt, einfach keine Rollen. Dann schickt ihn seine Agentin ohne Anweisungen kurzfristig zu einem Termin. Einzige Anforderung, Philip soll einen schwarzen Anzug tragen.
Dunkel ist nicht direkt schwarz und Philip ist zu spät – zu einer Trauerfeier eines Unbekannten. Hinterher stellt sich heraus, dass die Trauerfeier von einer Agentur ausgerichtet war, die „Rental Family“ heißt und auf Anfrage Schauspieler als Familienmitglieder und Freude inszeniert. Ein ungelenker Amerikaner fehlt der Agentur noch und Agenturchef Shinji Tada (Takehiro Hira) bietet Philip einen Job an.
Sehr zum Unmut von Aiko Nakajima (Marie Yamamoto), die den Ausländer für inkompetent und unzuverlässig hält. Doch auch Philip selbst hat Vorbehalte. Er empfindet die gespielte Familie als unangebracht, psychologisch fragwürdig und kommt sich dabei unehrlich vor. Doch aus wirtschaftlicher Notwendigkeit lässt er scih auf die Anstellung ein.
Eine peinliche Trauerfeier
So macht Phillip nach und nach Bekanntschaft mit sehr unterschiedlichen einsamen Menschen. Eines Tages spielt er Videospiele mit einem Nerd, dann wieder ist er der kanadische Ehemann einer lesbischen jungen Frau, die aus dem Einflusskreis ihrer Eltern herauskommen möchte.
Langsam beginnt Philip die Sinnhaftigkeit seines Tuns zu sehen. Als Journalist besucht er regelmäßig einen greisen Filmregisseur um dessen Biografie zu schreiben und er wird zu dem amerikanischen Ehemann einer Alleinerziehenden, die ihre Tochter (Shannon Gorman) auf einer Eliteschule unterbringen will. Die Schule legt Wert auf geregelte, traditionelle Familienverhältnisse.
Einsamkeit und das Verschwinden sozialer Bindungen sind nicht nur in Japan ein gesellschaftliches Problem. Scheinbar kommt in dem sehr traditionsbewussten Kaiserreich noch hinzu, dass es sehr starre Verhaltensregeln und Kodizes gibt, aus denen sich die einzelnen Menschen nicht ohne weiteres lösen können.
Für den westlichen Fremdling, der sich in Japan einleben will ist das wie ein Buch mit sieben Siegeln und auch ein ewiges Rätsel. Hat der Ami doch quasi mit der Muttermilch aufgesogen, dass individuelle Freiheit und Selbstbestimmung die höchsten Güter überhaupt sind. Da fällt es Philip schon schwer nicht aus der Rolle zu fallen und seinen Klienten Ratschläge zu geben, die eher unjapanisch sind.
Eine seltsame Erkenntnis
Absehbarer Weise führt das zu Problemen, denn anders als die japanischen Kollegen, die sich streng an ihre darstellerischen aufgaben halten, ist es Philip darum zu tun, den Menschen auch zu helfen. Das aktive Einmischen jedoch ist nicht vorgesehen.Und so bleiben Konflikte innerhalb der Agentur aber auch mit der Kundschaft icht aus. Wo kämen wir den hin, wenn der demente Regisseur Hilfe beim Abhauen braucht?
Die Regisseurin Hikari („Beef“-Serie) ist ihrerseits als einzige Asiatin in ihrer Schulzeit in den USA aufgewachsen. Ein wenig von dieser „Fisch auf dem Trockenen“-Situation findet sich auch in „Rental Family“ wieder. Und in der empfehlenswerten Thriller-Serie „Tokyo Vice“, für die Hikari bei einigen Episoden Regie führte, ging es ebenfalls um einen Amerikaner in Japan.
Ein lebensechter Schauspieljob
So ist „Rental Family“ eine Geschichte mit durchaus absehbarer Dramaturgie, die aber immer wieder mit anrührenden Szenen und einer aufrichtig Anteil nehmenden Hauptfigur überzeugen kann. Der ungelenke aber empathische Philip wird von Brendan Frazer („Die Mumie“, „Der Wal“) sehr überzeugend dargeboten und durch seine fremde Perspektive erschließt sich die japanische Gesellschaft vielleicht ein wenig besser als vorher.
Ähnliches gelingt mit gänzlich unterschiedlichem Themenfokus auch dem Drama „A Missing Link“, das in einigen Wochen in die deutschen Kinos kommt. Hierin versucht Roman Duris als französischer Taxifahrer in Tokio seine Tochter zu finden, die ihm von der japanischen Familie vorenthalten wird. (Filmstart Anfang April 2026)
Doch die Story in „Rental Family“ funktioniert auch ohne ein Faible für Fernost zu haben und sich auf die japanischen Eigenheiten zu kaprizieren. Der Film mit seinen vielschichtigen zwischenmenschlichen Betrachtungen rührt immer wieder an und regt so das Pulikum auch an, sich über das eigene Leben und die hiesige Gesellschaft Gedanken zu machen.
Möglicherweise ist die amerikanisch-japaniche Komödie „Rental Family“ ein wenig zu beschaulich ausgefallen. Doch es sind die leisen Töne, die die größte Wirkung haben. Der von Brendan Frazer zurückgenommen vorgetragene Amerikaner ist zwar der Dreh-und Angelpunkt der Komödie aber die vielen kurzen und längeren Begegnungen machen „Rental Family“ zu einem bereichernden Erlebnis.
Rental Family
OT: Rental Family
Genre: Komödie
Länge: 110 Minuten, USA / J, 2025
Regie: Hikari
Schauspiel: Brendan Frazer, Takehiro Hira, Shannon Gorman, Marie Yamamoto
FSK: ohne Altersbeschränkung, ab 0 Jahren
Verleih: Walt Disney Pictures
Kinostart: 08.01.2025






