Sohnemänner: Sturköppe

Die deutsche Familiendramödie „Sohnemänner“ von 2012 erzählt mit eigenem Ton von familiären Konflikten. Das ist über weite Strecken erfrischend originell und mehr als unterhaltsam. Vor allem die großartige Besetzung in diesem Ensemble-Stuck überzeugt.

Edgar ist selbst schon im Rentenalter, doch das Urgestein aus dem Hamburger Stadtteil Sankt Pauli ist eigentlich noch ganz rüstig und junggeblieben. Als er eines Tages seine Mutter im Pflegeheim besuchen will, ist diese verschwunden. Wie sich herausstellt hat Edgars Sohn Uwe die alte Dame abgeholt.

Doch Uwe lebt im Schwarzwald abgeschieden mit seinem Lebensgefährten Johann, der seinen Liebsten zwar unterstützt, aber die Pflege für Oma Hilde auch nicht als Dauerzustand etabliert sehen will, schließlich hat er selbst genug Ärger mit seinem Vater Wilm, der ebenfalls im Altenheim lebt.

Vor allem Edgar will nichts davon wissen, dass seine Mutter im Schwarzwald bleibt, und Vater und Sohn ignorieren sich gegenseitig, als Edgar plötzlich im Schwarzwald vor der Tür steht. Doch der Konflikt liegt in der Luft. Als dann auch noch Edgars wesentlich jüngere Freundin mit Sohn auftaucht und Uwes Vater konstant Johnny nennt, droht das Fass überzulaufen.

Regisseur und Autor Ingo Haeb thematisiert mit „Sohnemanner“ das Wegsterben der Großeltern-Generation, das für viele Erwachsene schwierig zu verkraften ist. Uwe, inzwischen auch um die 40 und in einer etablierten Lebensphase, hängt umso mehr an seiner Großmutter, weil er bei ihr aufwuchs. Der Vater, Edgar, schien mit dem Kind überordert zu sein nachdem die Mutter weg war und zwischen den beiden „Sohnemännern“ gibt es im Grund überhaupt keine Beziehung.

Johnnys Freundin? Wer ist Johnny?

Dass Edgar seine Mutter ins Heim gesteckt hat, fungiert als Katalysator, um die gesamte, nicht ganz einfache Familiengeschichte aufzuarbeiten und sich nun endlich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Dabei ist selbstredend wenig so, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Als Drehbuchautor hatte sich Ingo Haeb einen Namen gemacht („Am Tag als Bobby Ewing Starb“, Die Schimmelreiter“, „Neandertal“), nun führt er erstmals eigenständig Regie und im Großen und Ganzen weiß „Sohnemänner mit seiner Geschichte, seinen Figuren und der Disposition von Nebenhandlungen zu überzeugen.

Allerdings ist der Film irgendwie zu lang geraten und während der 105 Minuten beschleicht den Zuschauer gelegentlich das Gefühl die eine oder andere Szene hätte auch wegfallen könne, ohne dem Film Dynamik und Drama zu nehmen. Vielleicht liegt das an der Themenfülle die sich „Sohnemänner“ vornimmt. Aber das großartige Ensemble an charismatischen Schauspielern, die ihre Rollen mit Leben füllen, macht diesen Umstand locker wett.

„Sohnemänner“ ist ein weitgehend gelungenes komisches Drama über das Altwerden, über verpasste Chancen und den drohenden Verlust. Trotz einiger Längen überzeugt „Sohnemänner“ mit eigenwilligem Erzählstil, tollen Darstellern und sehr, sehr überzeugenden Charakterzeichungen.

Bewertung: 3 von 5.

Sohnemänner
OT: Sohnemänner
Genre: Drama, Komödie
Länge: 100 Minuten, D, 2012
Regie: Ingo Haeb
Schauspiel: Peter Franke, Renate Delfs, Marc Zwing
FSK: ab 6 Jahren
Vertrieb: Indigo
Kinostart: 19.04.2012
DVD-VÖ: 22.02.2013

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