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Moon Knight (2006): Wächter der Nacht

19.09.17 (Comic, Superhelden)

Früher habe ich dem mysteriösen Marvel Superhelden namens Moon Knight kaum Beachtung geschenkt. Das änderte sich allerdings vehement, seit Panini Comics hierzulande die grandiose Neudefinition von Warren Ellis und Declan Shalvey auf den Markt brachte. Seitdem bin ich gespannt wie ein Flitzebogen, sobald ein neuer Moon Knight Titel angekündigt wird. Die abgeschlossene Story im Sammelband „Wächter der Nacht“ hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und mit der aktuellen Moon Knight Serie nicht allzu viele Berührungspunkte. Dafür ist das knallharte Action-Comic von Autor Charlie Huston und Zeichner David Finch ein Meilenstein in der Moon Knight Historie, sorgte dieser Serienauftakt doch 2006 den Konshu-Beauftragten wieder aus der Versenkung zu holen.

Marc Spector ist nach einem Kampf mit dem Bushman am Boden zerstört. Er sitzt im Rollstuhl, wartet, dass seine Wunden verheilen und hat sich in Selbstmitleid zurückgezogen. Spector verlässt das Haus nicht mehr und an Auftritte als Moon Knight, der Beschützer der Reisenden der Nacht, ist nicht im Traum zu denken. Stattdessen rennt irgendein anderer Kostümierter durch die nächtliche Stadt und mordet scheinbar sinnlos.

Dann entschließt sich der Ex-Söldner Spector seinen alten Kampfgefährten „Frenchie“ zu besuchen, der inzwischen mit seinem Lebensgefährten ein Restaurant betreibt. Spector ist verwirrt und es scheint, als wäre er ernsthaft von „Frenchies“ Homosexualität überrascht. Aber Spector ist derart mit sich selbst beschäftigt, dass er überhaupt nicht merkt, dass jemand systematisch versucht, ihn beziehungsweise Moon Knight endgültig zu zerstören. Aber das Ende kommt immer näher und dann schickt ihm das Kartell den Supersöldner Taskmaster auf die Pelle.

Nachdem der von Doug Moench geschaffenen Moon Knight eine ganze Weile lang ein fester Bestandteil des Marvel-Universums war, hat der Beschützer der nächtlichen Reisenden die Jahrtausendwende nicht ganz so gut weggesteckt und ward lange nicht gesehen. Erst 2006 holten Autor Charlie Huston und Zeichner David Finch Moon Knight mit dieser erstaunlich düsteren und harten Story zurück ans Licht.

Der Originaltitel dieses Storybogens, der über die ersten sechs US-Ausgaben der Serie von 2006 reichte, lautet übrigens „The Bottom“ (frei übersetzt so viel wie „am Boden“). Und genau dort setzt die Story von Houston ein. Von Superheldenhaftigkeit weit und breit keine Spur, Marc Spector ist ein psychisches Wrack und seine Freunde schaffen es nicht, ihn zu erreichen, geschweige denn, ihm zu helfen. Nein, die Faust von Konshu fleht den ägyptischen Gott um Hilfe an, ist aber nicht in der Lage oder willens, selbst etwas dafür zu tun.

Für einen Mainstream-Superhelden-Comic ist diese existentielle Krise schon starker Tobak und auch wenn es nicht explizit erwähnt wird, Moon Knight von 22006 richtet sich vor allem an ältere Leser, die auf düstere Action mit derber Härte stehen. Ideenmäßig stand sicherlich auch Todd McFarlanes „Spawn“ für diese Moon Knight Inkarnation Pate. Aber vielleicht ist das auch nur dem muskelbepackten Artwork von David Finch geschuldet, das mit seinem freien Paneling dem variablen Seitenaufbau und seiner Vorliebe für fast cineastisch aufbereitete Close-ups ziemlich an die Superhelden-Ästhetik der Neunziger Jahre angelehnt ist, zu der McFarlane selbst maßgeblich beigetragen hat. Und irgendwie rückt dieser Moon Knight auch in die Nähe des düsteren Mafia-Comics „The Darkness“.

Zugegeben, diese Art von Action-Comic und vor allem diese Ausgestaltung des Artworks gehört nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Mir ist es lieber, wenn das Superhelden-Genre auf andere Art und Weise interpretiert wird und so vielleicht stilistisch auch ein wenig aufgebrochen. Einen wesentlichen Anteil an diesem Look hat allerdings auch die Farbgebung von Frank D’Armata. Als Meister seines Faches gelingt es ihm mit grandiosen Schattenwirkungen eine Hochglanz-Ästhetik auf die Zeichnungen zu zaubern, die das gesamte Abenteuer zu einem sehr lebendig wirkenden Genuss machen. Aber blutig geht es dennoch zur Sache.

Vorlieben tun hier nicht viel zur Sache. „Wächter der Nacht“ ist ein Moon Knight Klassiker und eine ebenso zeitlose wie düstere Superhelden-Story. Mehr Sinnkrise geht eigentlich nicht und damit ist „Wächter der Nacht“ beziehungsweise „The Bottom“ auch ein Sinnbild für die gedankliche Strömung der Nuller Jahre, die nicht unerheblich von 9/11 geprägt sind.

Book Rating: ★★★★★★★½☆☆ 

Moon Knight: Wächter der Nacht
OT: Moon Knight (2006) 1 – 6, Marvel Comics, 2006
Genre: Superhelden, Comic
Autor: Charlie Huston
Zeichner: David Finch
Farben: Frank D’Armata
Übersetzung: Jürgen Petz
Verlag: Panini Comics, Softcover, 156 Seiten
VÖ: 15.08.2017

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