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Maggy Garrison – Band 1: Lach doch mal, Maggy!

24.04.17 (Comic, Literatur)

Auf dem Krimi-Sektor sind im Normalfall Polizisten oder Privatdetektive die Helden oder auch Antihelden. Gelegentlich und mit zunehmender Tendenz sind inzwischen auch Frauen  vorne an der Ermittlerfront dabei. Überraschender Weise schickt  nun ausgerechnet  ein Comic eine erfrischend normale Heldin ins Rennen. Das französische Kreativ-Duo Lewis Trondheim und Stéphane Oiry gehen mit der Londonerin  Maggy Garrison auf Jobsuche und auf eine seltsame Jagd nach Tickets.

Maggy Garrison hat den Job als Sekretärin bei dem Privatdetektiv Anthony Wright ihrer Nachbarin zu verdanken. Aber so froh Maggy auch über irgendeine bezahlte Arbeit ist, der neue Boss scheint nicht gerade der aufgeweckteste und geschäftigste Ermittler in London zu sein. Nicht einmal den Verbleib des Kanarienvogels seiner alten Nachbarin weiß Mister Wrigth für seine Geschäfte zu nutzen. Maggy hingegen schon, statt sich mit der Erklärung zufrieden zu geben, dass eine Katze den Piepmatz gefressen hat, wägt Maggy die Detektiv-Prämie gegen den einfachen Erwerb eines neuen Kanarienvogels ab und streicht die Differenz in die eigene Tasche.

Eigentlich hatte der leicht übergewichtige, gewiefte und alternativ angehauchte Rotschopf auch aufgehört zu rauchen, aber wenn Mister Wright schon dauernd unterwegs ist und seinen Kram nicht in Ordnung hält, kann er auch mal eine Kippe springen lassen.

Dann wird der neue Chef überfallen und verprügelt und landet im Krankenhaus. Er bittet Maggy nach den Tickets für den Brighton Pier in seiner Brieftasche zu gucken und diese zu verstecken. Denn die Tickets sind begehrt, wie Maggy erfährt, als ihr diverse zwielichtige Gestalten folgen und sie bedrohen. Glücklicher Weise ist Polizistin Sheena zur Stelle, die den Überfall auf Wrights bearbeitet und Maggy gleich sympathisch war. Nun entwickelt Maggy einen gewissen Ehrgeiz, hinter die Sache mit den Tickets zu kommen.

Der französische Comic-Autor Lewis Trondheim, der seine Pseudonym mit dem Städtenamen nach dem Klag ausgesucht hat, gehört sein Jahrzehnten zu den umtriebigsten Autoren und Zeichnern der französischen Comic-Szene. Als Mitbegründer des Verlags L’Association verfügt er über eine erstaunliche Bandbreite, die von den Reihen wie „Die erstaunlichen Abenteuer des Herrn Hase“ über Ralph Azahm“ bis zum Fantasy-Epos  „Donjon“  reichen. Zumeist ist Trondheim dabei als Szenarist, also als Autor, mit unterschiedlichsten Zeichnern beteiligt. Mit seiner Frau Brigitty Findakly veröffentlichte er außerdem die Graphic Novel „Mohnblumen aus dem Irak“.  Etliche seiner Arbeiten sind im Reprodukt-Verlag erschienen. Der 1970 geborene französische Zeichner Stéphane Oiry ist hierzulande bislang kaum bekannt.

„Maggy Garrisson“ ist die erste Zusammenarbeit der beiden Künstler. Und während Oiry das Artwork eher schlicht anlegt und in der Kolorierung vor allem mit unterschiedlich farbigen Grundtönen in den jeweiligen Situationen Stimmung erzeugt, sorgt der Seitenaufbau mit dem strengen Panelraster für einen gleichmäßigen Erzählfluss. Die einzelnen Bilder sind dabei allerdings ganz schon subtil und ausgefallen und entwickeln ihren Reiz, ebenso wie die Hauptfigur, gerade durch diese vermeintliche Schlichtheit.

Die etwa vorlaute, eigenwillige und selbstbestimmte Maggy ist eine Protagonistin, die eher Antiheldin aus Powerfrau ist. Dabei ist Maggy erstaunlich pragmatisch, was in ihrer finanziell nicht gerade rosigen Situation auch angebracht ist. Mit solidem, trinkfesten Working Class Charme ist sie sich für kaum einen Job zu schade. Dabei scheint ihr die Unabhängigkeit zumindest ebenso wichtig zu sein, wie ein solides Gehalt. Gegen eine Beziehung hätte Maggy allerdings auch nichts einzuwenden. Aber in bisschen wählerisch darf Frau doch wohl sein?

Es ist letztlich weniger die Krimi-Story, die in dem ersten Band von “Maggy Garrison“ zu faszinieren weiß, sondern ganz eindeutig die ebenso charmante wie eigenwillige Frauenfigur der Maggy. Bislang haben Trondheim und Oiry drei Bände „Maggy Garrison“ geschrieben, die als eine Art Trilogie gedacht sind und in Deutschland bei Schreiber & Leser erscheinen. Nach dem sehr unterhaltsamen Auftakt darf man hoffen, noch mehr von Maggy zu lesen.

Maggy ist einerseits bodenständig und latent ein bisschen frustriert, andererseits aber entschlossen, sich den Spaß am Leben nicht nehmen zu lassen. Das wirkt zugleich so fürchterlich normal, dass man beziehungsweise frau sich ohne Probleme in Maggy hineinversetzen kann, wie für eine Ermittlerinso überraschend ungewöhnlich. Hier ist keine Miss Marple am Werk und auch keine Kommissarin Lund, sondern eine lebenskluge Frau, die so ihre Problemzonen mit sich herumschleppt und mit gesundem Menschenverstand anzupacken weiß. Aber wer weiß, wohin es Maggy Garrison noch verschlägt. „Lach doch al, Maggy!“

Book Rating: ★★★★★★★★½☆ 

Maggy Garrison – Band 1: Lach doch mal, Maggy
Genre: Graphic Novel, Krimi
Autor: Lewis Trondheim
Zeichner: Stéphane Oiry
Übersetzung: Resl Rebiersch
Verlag: Schreiber & Leser, 48 Seiten,
VÖ: 04.04.2017

 

„Maggy Garrisson“ bei Schreiber & Leser

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