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Drei Steine: Mutig gegen rechte Gewalt

06.07.16 (Comic)

DREISTEINE_Hardcover_935-vorschauComic-Autor und Illustrator Nils Oskamp erzählt in „Drei Steine“ aus seiner Jugend in Dortmund und der Ausbreitung der Neonazi-Szene. Dabei ist Oskamp eine eindringliche und aufklärerische Graphic Novel gelungen, die man eigentlich nur jedem Leser ans Herz legen kann. Ergänzt wird die autobiografische Bildgeschichte von ausführlichem Begleitmaterial.

Zwar kommt der Teenager Nils Oskamp aus gutem bürgerlichen Hause, aber der Dortmunder Stadtteil Dorstfeld ist in den Achtziger Jahren eine Hochburg der Neonazi-Szene.  Als ein Klassenkamerad rechte Propaganda verbreitet, sieht sich Nils genötigt, dagegen aufzustehen und eine andere Position zu vertreten. Das nehmen die Rechten ihm übel und er wird zur Zielscheibe rechter Schläger.

Erstaunlicher Weise stößt der Junge, als er brutal zusammengeschlagen wurde, überall nur auf taube Ohren. Egal, ob Eltern, Lehrer, großer Bruder oder Polizei: alle wiegeln ab, verharmlosen die Bedrohung und machen weiter als wäre nichts geschehen. Nur Tim, eigentlich ein Kumpel seines älteren Bruders, steht Nils wehrhaft zur Seite. Doch so wie sich Nils nicht unterkriegen lässt, geben auch die Rechten nicht auf und die Schraube der Gewalt zieht an.

Künstlerisch ist „Drei Steine“ sehr gelungen: Die Zeichnungen und Seiten sind atmosphärisch und gut zu verstehen. Die Story ebenso packend wie erschütternd. Als Autor weiß sich Nils Oskamp auf das Wesentliche zu beschränken.
Gerade heute, wenn rechtes Gedankengut im Zuge der Flüchtlingskrise immer stärker Einzug hält in bürgerliches Milieu und rechtschaffene Empörung, ist die Geschichte, die „Drei Steine“ erzählt, so wichtig wie selten. Neonazis und Gewaltausbruche sind und waren keinesfalls ein gesellschaftliches Phänomen, dass sich auf Ostdeutschland beschränkt, sondern auch im ehemaligen Westen gab und gibt es aktive Kameradschaften. Den Vorwurf auf dem rechten Auge weniger sehen zu können als auf dem linken, müssen sich Behörden nicht nur im Zuge der NSU-Affäre und diverser Spitzelskandale in der rechten Szene gefallen lassen.  Das zeigte nicht nur die Undercover-Recherche „Blut muss fließen“ von Thomas Kuban.

Dortmund ist in dieser Hinsicht schon immer ein hartes Pflaster gewesen und die Verknüpfung zu der Ultra-Szene der Fußballfans ist nach wie vor unübersichtlich. Thematisiert wurde das unter anderem auch in dem Dortmunder Tatort „Hydra“. Die Lage scheint sich also seit Oskamps Jugend nur graduell verbessert zu haben. Die Neonaziszene hat sich verändert, ist vielleicht weniger sichtbar. Verschwunden ist die Bedrohung nicht und scheint auch nicht weniger zu werden.

Nils Oskamps autobiografische Geschichte „Drei Steine“ über Gewalt von Neonazis wichtig und wird immer wichtig bleiben, um Zivilcourage gegen neonazistisches Gedankengut zu stärken.

DREISTEINE_Hardcover_935Drei Steine
Graphic Novel
Genre: Autobiographie, Politik, Jugend
Autor & Zeichner: Nils Oskamp
Verlag: Panini Comics, Hardcover, 144 Seiten
VÖ: 28.06.2016

 

Drei Steine bei Panini

Nils Oskamp Homepage

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