The Madison – Staffel 1: Fliegenfischen in Montana

Eine neue Serie von Taylor Sheridan, dem Schöpfer von „Yellowstone“, verspricht zunächst einmal gute Unterhaltung. Die Star-Besetzung mit Michelle Pfeiffer und Kurt Russell, die vor Jahrzehnten schon einmal zusammen vor der Kamera standen, macht gleichfalls neugierig auf „The Madison“, das auf Paramount+ ausgestrahlt wird und nun Mitte Oktober 2026 auch auf DVD für das klassische Home-Entertainment veröffentlicht wird. Also hinein nach Madison County in Montana.

Offizielle Texte nachzubeten, kommt bei brutstatt üblicherweise nicht vor, aber ich zitiere zum Auftakt mal den Klappentext der DVD: „Stacy und Preston Clyburn leben mit ihren erwachsenen Töchtern und Enkeln ein komfortables Leben in New York City. Nach einem einschneidenden Ereignis zieht die Familie nach Montana ins wilde, ungezähmte Madison River Valley, wo sie sich in einer völlig neuen Umgebung mit ihrer Vergangenheit, ihrem Zusammenhalt und den Chancen eines Neuanfangs auseinandersetzen muss.“

So weit, so gefällig und so harmlos, um nur ja niemanden zu verschrecken. Faktisch verstirbt Preston (Kurt Russell) direkt zu Beginn der ersten Folge bei einem Flugzeugunglück während eines Angelausflugs in Montana, während die Restfamilie um Prestons Frau Stacy (Michelle Pfeiffer) ihr urbanes Leben in New York genießt.

Vom guten Landleben

Na ja, genießen geht auch anders: Während Stacy (Michelle Pfeiffer) mit ihren Charity-Verpflichtungen beschäftigt ist, wird ihre jüngere Tochter Paige (Elle Chapman) auf offener Straße ihrer Handtasche beraubt, mit einem Faustschlag ins Gesicht. Das verstört nicht nur Ehemann Russel McIntosh (Patrick J. Adams), sondern ruft auch die ältere Schwester Abigail Reese (Beau Garrett) auf den Plan. Die muss sich nach ihrer Scheidung zwar um ihre beiden Mädchen Bridget (Amiah Miller) und Macy (Alaine Pollack) kümmern, aber wenn die kleine Schwester angegriffen wird, setzt ein Familienreflex ein. Auch Stacy ist auf dem Weg.

Die Nachricht vom Tod des Gatten stürzt Stacy dann in ein tiefes Loch und zur Identifizierung des Toten fliegt die gesamte Familie nach Madison County, wo Preston vor 20 Jahren Land gekauft hat, auf dem sein mit ihm verstorbener Bruder Paul nach dem Tod von dessen Frau gelebt hat.

Stacy und die Mädchen konnte Preston nie für ungezähmte Landschaft und das ursprüngliche, naturnahe Leben begeistern. In den rustikalen, aber gemütlichen Holzhütten betrauert Stacy auch, dass sie nie mit Preston gemeinsam hier war, und beginnt in einer Art manischer Trauer, das Land in Montana zu ergründen. Dabei hilft ihr Prestons Tagebuch, das sich liest, als hätte er auch Anleitungen für seine Frauen hinterlassen.

Derweil haben es die Töchter nicht leicht, miteinander klarzukommen, und das ständige Gezanke zerrt zusätzlich an den Nerven der Beteiligten. Glücklicherweise taucht Nachbar Cade Harris (Kevin Zegers) irgendwann mit Verpflegung von den Nachbarn auf und bietet seine Hilfe und Ortskenntnisse an.

Wapiti-Würstchen zum Mittag

Um es krude auf den Punkt zu bringen: Der Auftakt von „The Madison“ ist derart schlicht und kitschig, dass es schwerfällt, der Serie mehr als die Pilotfolge zuzugestehen. Da soll einem Haufen Frauen das ehrliche Landleben nahegebracht werden. Da soll den entfremdeten und dauergeschäftigen Großstädtern mit Macht die Schönheit der Landschaft und die Erdverbundenheit eingebläut werden, dass es nur so kracht.

Daneben werden die eigentlich dramatischen Familienereignisse derart in seichte Flusswasser gelenkt, dass es schwerfällt, irgendetwas von dem Bohei überhaupt ernst zu nehmen.

Hinzu kommt eine arg streicherlastige Serienmusik und eine postkartenkitschige Ausleuchtung der eigentlich schönen und weiten Landschaft Montanas. Da wird das Tal mit dem idyllischen Fluss auch noch in überirdisch güldenes Herbstlicht getaucht, da trieft das Sonnenglitzern durch die felsigen Bachläufe und von der Veranda der Holzhütten aus blickt man auf gemächlich fließende Gewässer. Da habe ich mich doch sehr schnell sattgesehen.

Trockentoilettenwitze

In der Folge, quasi der zweiten, wird „The Madison“ nicht unbedingt besser, aber kalauert mit einem Hornissennest im Plumpsklo immerhin über Insektenstiche an Körperteilen, die selten an die Sonne kommen. Und der verstorbene Preston taucht in Erinnerungen und Rückblenden auf und begleitet die Clyburn-Frauen bei ihrem Weg durch das Landleben und die Trauerarbeit. In leidlich unterhaltsame, aber nicht gerade originelle Fahrwasser gelangt die Serie dann, wenn die Einheimischen die Großstadtfamilie unterstützen. So langsam entfaltet sich ein Figuren- und Familienpanorama, das immerhin leidlich unterhaltsame Wendungen aufzubieten hat.

Immer wieder aber kommt es zu nachgerade kalenderspruchartig schlichten Momenten und Lebenserklärungen und -weisheiten. Da braucht es für alle, die mehr Lebenserfahrung haben als Schulkinder, schon ein gerüttelt Maß an Geduld. Und die Landschaft wird immer wieder – und gerne in Kombination mit getragener Musik – in Szene gesetzt, so wie bei „Der Mann aus den Bergen“. Der Kontrast zum Großstadtleben wird immer wieder überspitzt und ermüdend aufs Tableau gehoben.

Möglicherweise passt „The Madison“ mit seinem Bild eines heilen und weiten Amerika in die aktuelle wertkonservative Zeitströmung in Übersee, möglicherweise sollen hier auch traditionelle Werte vermittelt werden oder es geht auch schlicht nur um eine Aufwertung des Landlebens in der öffentlichen Wahrnehmung. Die häufig zitierten fünf Phasen der Trauer können es kaum sein, die „The Madison“ inspiriert haben. Dazu kommt die Serie in ihren Dialogen und Szenen nicht tief genug an die Emotionen der Charaktere heran.

In der Drama-Serie „The Madison“ steckt eine Frau und eine Familie fest zwischen Trauer und Neuanfang. Das ist auch verbunden mit den Kontrasten zwischen Großstadt und Landleben und pendelt sozusagen zwischen Madison Avenue und Madison County in Montana. Wer auf schwülstig majestätische Landschaften und gefühlsduselige Soap Operas steht, findet hier die perfekte Mischung. Möglicherweise könnte sich die Serie nach krudem Auftakt in der nächsten Staffel noch entwickeln.

4 von 10 Förellenködern

The Madison – Staffel 1
OT: The Madison Season 1
Genre: Drama, TV-Serie
Länge: 314 Minuten (6 x ca. 53), USA, 2026
Idee & Drehbuch: Taylor Sheridan
Regie: Christina Alexandra Voros
Schauspiel: Michelle Pfeiffer, Beau Garrett, Elle Chapman, Kurt Russell
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Paramount, Leonine
DVD-VÖ: 16.10.2026

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