Cosmic Mints – Near Mint: Album Review

Möglicherweise ist Mint im Kosmos der Band Cosmic Mints ein Planet. Eben jener, von dem die Band verbannt wurde. Die sechsköpfige Band hat in Freiburg im Breisgau eine irdische Basis gefunden und musiziert hier entspannt und experimentell mit Sounds und Songs, die aus der amerikanischen Musiksphäre entlehnt sind. Beim zweiten Album „Near Mint“, das am 21. Oktober 2026 erscheint, sind deutliche Hippie-Vibes zu verzeichnen. Mein Retrometer schlägt gehörig aus. Das kann aber auch an der anregenden Wirkung der Minze liegen.

Über die Namensgebung bei Bands lässt sich lang und breit spekulieren, bei den Cosmic Mints mag das nur bedingt zielführend sein. Möglicherweise halten die sechs Bandmitglieder die Pflanzengattung der Minzen für ein Geschenk des Kosmos. Als Heilpflanze ebenso universell wie als anregender Tee auch und vor allem bei heißen Witterungen zu gebrauchen. Möglicherweise, und der Standort Freiburg legt das nahe, sind die Musiker auch so verkopft und studiert, dass ihnen aus den sogenannten MINT-Fächern ein amalgamierter gemeinsamer Nenner aus Mensazeiten geblieben ist. Eventuell war das Sixpack auf der Suche nach Märchenprinzen und ist über die dreckigen Straßen eines deutschrockenden Barden gestolpert und hat die Minze aus dem Staub zu den Gestirnen in den Kosmos verlegt.

Gleichviel, die Band macht entspannten Retro-Rock mit Anteilen und Inspirationen aus Funk, Soul, Psychedelic und Hastenichgesehen, Das hört sich dennoch sehr präsent und modern an. So wie das in den USA eine ganze Szene macht, die sich als Jam Bands verstehen; Phish mag den meisten geläufig sein, oder The Grateful Dead. Ein weites Feld und auch nur bedingt relevant.

Cosmic Mints sind sehr entspannt, was einerseits extrem sympathisch ist und sich musikalisch in einem lässigen Vibe ausdrückt, andererseits aber auch verhindert, dass die Herren mal den Fuß von der Bremse nehmen und aus dem zurückgelehnten Cruisen bei (ökologisch korrektem) Tempolimit herauskommen. Das hätte dem Album eine weitere Komponente hinzugefügt.

Frische Minze im Hochsommer

„Near Mint“ ist das zweite Album der sechsköpfigen Band. Das Debüt erschien 2020 während der Covid-19-Pandemie, es folgten kürzere Formate und nun ein neues Album. Das weiß mit seinen 8 Songs in 34 Minuten zu gefallen, ist mir persönlich aber auch zu kurz ausgefallen. Einer geht noch ist nicht nur ein beliebtes Trinklied, sondern auch der Wunsch nach Value for Money. Und wenn ein Album in 30 Minuten nicht 15 Punkrocker runterreißt, war sicher noch Platz für eine weitere Komposition. Es sei denn, es wird ausufernd instrumental gefrickelt, dann tun es auch weniger Kompositionen.

Auf „Near Mint“, das im Titel ebenso pflanzlich wie mehrdeutig bleibt, sind wohlstrukturierte Songs zu hören, ausgestattet mit Doppelgitarre, Schlagwerk, Bass, Keyboards und Gesang. Das ist sehr gefällig und von handwerklichem Können, aber auch nicht immer mitreißend, auch und gerade, weil bei fast allen Liedern ein getragenes Break daherkommt, das kompositorisch zwar interessant ist, aber auch den Flow hemmen kann. Wie bereits erwähnt, wir schunkeln im mittleren Tempo die Dreisam hinab.

Das zweiminütige „Spanisch C“ eröffnet den Reigen mit offenen Akkorden, zunächst distanzierten Spoken Words und später mit lässigen Vocals, die auch ein wenig an Les Claypool erinnern. Absurderweise ist der Song der direkteste auf dem Album, wirkt aufgrund der Kürze aber fast wie ein Intro und unfertig. „Rolling High“ shufflet sich mit Hammond-Sounds und schwerem Riff in wuchtige Rocksphären.

Getrocknete Minze für den Winter

„Y so Depressed“ ist eine soulige Ballade, die zur Mitte hin mit Reverb-Geblubber abfährt und anschließend nur bedingt das Momentum wiederfindet. Mit 6 Minuten vielleicht auch etwas zu lang. „For Now“ kommt in flottem Midtempo daher, hebt sich aber nicht weiter aus dem „Cosmic Mind“-Sound heraus. Möglicherweise kommt „For Now“ der Blaupause der kosmischen Minze am nächsten. Und wieder ein Tempostopp im Break.

„Kill Me“ hat mich bereits nach der ersten Zeile „Kill Men now, tell me later“. Dazu ein lässiger Rumba-Rhythmus, der lässig rüberkommt, der Refrain haut dann Pop-Appeal raus und bleibt im Ohr hängen. Solierender Mittelteil scheint obligatorisch. Ich mag den gecroonten Gesang, der mich an Asaf Avidan erinnert. Selbiges lässt sich auch über die Vocals bei „Turn Around“ sagen, aber rockiger, quasi Avidan zu Mojos Zeiten. Gleichermaßen ein Album-Highlight.

„Zatanaz“ bringt’s dann auf den Punkt. Im ausgekoppelten Video im lässigen Gebirgsbach kommt das Bandcredo zum Tragen: „Sunshine, your warm love is my home.“ Hier kommen mit Percussion und Ukulele die spürbarsten Jam-Band-Vibes rüber. Das erinnert mich arg an das Duo Dexter Grove, die mit Kongas und Akustikgitarre ordentlich was wegklöppeln. „Rolling High“ macht dann den Albumabschluss und entfaltet sich in Richtung staubigem Wüstenblues, der in ein kriechendes Heavy-Riff mündet und mit Slide-Gitarre und anderen Sounds zu punkten weiß.

So, nun ist das Review so lang geworden, wie das Album hätte sein sollen. Cosmic Mints aus Freiburg machen sympathische und entspannte Musik mit sommerlichen Hippie-Vibes, die sich nicht festnageln lassen will. Mir ist das Album in seinen Tempi etwas zu einförmig und gelegentlich hätte mensch ein Lied auch einfach mal durchziehen können, aber das ist wohl auch immer Stimmungssache. Die Band selbst empfiehlt auf Bandcamp die Kollegen Sound of Smoke zum Weiterhören, umgekehrt wird sicher auch ein Schuh draus. Wer mit dem einen was anfangen kann, mag auch das andere mögen.

7 von 10 Pfefferminztalern

Cosmic Mints – Near Mint
Genre: Psychedelic Soul Rock
Länge: 34 Minuten, 8 Songs, D, 2026
Interpret: Cosmic Mints
Label: Record Jet
Format: CD, digital, Vinyl
VÖ: 21.10.2026

Cosmic Mints bei Bandcamp
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