Hinter Tür #22 im #Filmadvent lauert sommerliche Leichtigkeit. Der spanische Animationsfilm „Chico & Rita“ gehört zu den außergewöhnlichsten Veröffentlichungen des Jahres 2012. Hier wird nicht nur die (traurige) Liebesgeschichte eines kubanischen Paares erzählt, sondern auch die lebendige Historie des Latinojazz. Ein außergewöhnlicher Animationsfilm, der mit viel Hingabe ein lebendiges Kuba zu Beginn der 1950er zeigt.
Ende der 1940er Jahre ist der kubanische Pianist Chico auf der Suche nach seinen musikalischen Möglichkeiten. Der unbekannte Musiker will mit einer Jazz-Ballade an einem Wettbewerb teilnehmen, doch ihm fehlt eine passende Sängerin. Eines Nachts hört er die berauschende Stimme von Rita und verliebt sich in die temperamentvolle Frau. Doch die Liebe hat ihre Aufs und Abs.
Chico ist noch in einer anderen Beziehung gefangen und Rita ist stolz genug, ihren eignen Weg zu gehen. Zum Songcontest finden die beiden dann widerwillig wieder zusammen und es scheint, als ob dies der Start einer Karriere in den USA wäre, aber das Schicksal will es anders. Als alter Mann, der seinen Lebensunterhalt als Schuhputzer verdient, erinnert sich Chico, als sein Lied im Radio gespielt wird…
Es ist nicht unbedingt die klassische, wenn auch temperamentvolle Liebesgeschichte, die „Chico & Rita“ so außergewöhnlich macht. Vielmehr ist es den Autoren Fernando Trueba, der auch Regie führte, und Ignacio Martinez de Pison gelungen, eine ganze Epoche der Musikgeschichte in dieser scheinbar simplen Story wieder aufleben zu lassen. Und zwar, ohne das Erzählen und das Unterhalten zu vergessen. Mit viel Geschick, Sachkenntnis und vor allem Liebe zum Detail wird aus der Lovestory ein mitreißendes Stück Musikgeschichte. Das pendelt gekonnt zwischen Romanze, Drama, Musical und Animation und überzeugt in allen Belangen.
Latin Jazz in liebevoller Animation
Der Animationsstil setzt ganz bewusst und mit erstaunlicher Stimmigkeit auf eine Optik, die vordergründig altmodisch wirkt. Doch die Stimmung im Kuba vor der sozialistischen Revolution fängt der Zeichentrick in sehr lebendiger, fiebriger Hitze ein. Fernando Trueba hat mit seinen Co-Regisseuren ein filmisches Kleinod geschaffen. Das wurde international gefeiert und war 2012 sogar für den Oscar als bester Animationsfilm nominiert. Eine angemessene Würdigung für einen rundherum gelungenen Film. Es versteht sich fast von selbst, dass auch die Musik, also der Soundtrack, vom Feinsten ist. Für Jazzliebhaber schon beinahe Grund genug sich „Chico & Rita“ anzusehen.
Es kommt selten vor, dass Musikfilme, die nicht als Dokumentation angelegt sind, wirklich überzeugen. Die Liebesgeschichte von „Chico & Rita“ jedoch ist ein typischer Blues. Der wird mit lateinamerikanischen Elementen und entsprechenden Polyrhythmen aufgejazzt und so zu einem stimmigen und zugleich exemplarischen Filmgenuss.
Der spanische Trickfilm „Chico & Rita“ macht da weiter, wo der „Buena Vista Social Club“ aufhörte und erweckt das Havanna der 1950er Jahre wieder zum Leben mit all der Musik und Lebendigkeit, die diesen Zeit und diese Stadt zum Hotspot machte. „Chico & Rita“ ist einer der erfrischendsten Filme des Jahres 2012.
Chico & Rita
OT: Chico & Rita
Genre: Drama, Animation /Trickfilm , Romanze, Musik
Länge: 93 Minuten, E, 2011
Regie: Fernando Trueba
FSK: ohne Altersbeschränkung, ab 0 Jahren
Vertrieb: Kool Film, Indigo
Kinostart: 30.08.2012
DVD VÖ: 30.11.2012

