The Devil’s Deal: Machtpoker in Südkorea

Polit-Thriller sind ein viel zu selten geschätztes Genre. Wer sich mit den Spielchen auf den Korridoren der Macht beschäftigt, darf auch schon mal darauf hinweisen, dass es ich um ein Werk der Fiktion handelt. Mal was anderes als das omnipräsente Prädikat „Nach wahren Begebenheiten“. Der koreanische Polit-Thriller „The Devil’s Deal“ zeigt Korruption und Wahlmanipulation Anfang der 1990er Jahre. Das ist packend inszeniert und spannend anzuschauen. Busch Media hat den südkoreanischen Thriller am 6. März als Media Book für das Home-Entertainment veröffentlicht.

Bei den Parlamentswahlen in Südkorea tritt der Politiker Jeon Hae-woong (Cho Jin-woong) im Bezirk Haeunde der Metropole Busan an. Als designierter Kandidat der Demokratischen Partei hat er beste Chancen auf einen Sitz im Parlament. Doch dann hat der einflussreiche Chef der Demokraten Kwon Soon-tae (Lee Sung-min) andere Pläne. Er will durch Immobilienspekulation in Haeunde das große Geld machen. Dazu braucht er einen folgsamen Abgeordneten.

Kurzerhand wird der Kandidat Jeon Hae-woong ausgetauscht. Jeon steht vor dem Nichts. Schlimmer noch, er hat sich für den Wahlkampf bei einem Kredithai verschuldet. Der will nun sein Geld zurück. Jeon holt zum Gegenschlag aus, beschafft sich Insider-Infos zu den Bauvorhaben, die er teuer verkauft, und tritt als unabhängiger Kandidat an. Die Kandidatur ist so aussichtsreich, dass Kwon Soon-tae zu drastischeren Mittel greifen muss.

Der austauschbare Kandidat

Das „historische“ Setting dieses koreanischen Politthrillers anno 1992 liegt darin begründet, dass seinerzeit Parlaments- und Präsidentschaftswahlen mehr oder minder parallel stattfanden. Und in den öffentlichen Aussagen der Machthaber etwas gegen die Korruption und die Wahlmanipulationen Unternehmen zu wollen. Soviel vermittelt zumindest der Film selbst und das Wenige, was sich bei Wikipedia über koreanische Politik recherchieren lässt. Allerdings lassen sich die Verhältnisse übertragen und die Verwicklungen sind nicht Korea-spezifisch.

Regisseur Lee Won-tae legt mit dem 2023 gedrehten und beim Filmfestival in Cannes gezeigten „The Devil’s Deal“ seinen vierten Spielfilm vor und inszeniert die politischen und kriminellen Intrigen sehr gekonnt. Ebenso sehr wie die Charaktere anfangs souverän in Szene gesetzt werden, zieht der Thriller die Spannungsschrauben an und erzeugt zum Finale hin mit großartigen und kunstfertigen Parallelmontagen der Handlung eine große Faszination und eine spürbare psychologische Spannung.

Südkorea hat durchaus eine produktive Filmindustrie und gelegentlich kommen auch hierzulande koreanische Filme an. Meistens als Home-Entertainment-Premieren, weil das Publikumsinteresse an asiatatischen Filmen eher als Special Interest gilt. Bei brutstatt.de finden sich immer mal wieder koreanische Filme und der wendungsreiche Polit-Thriller „The Devil’s Deal“ ist einer, der den internationalen Vergleich nicht scheuen muss.

„The Devil’s Deal“ beginnt noch halbwegs launig. Sobald die Luft für den Kandidaten in Busan aber dünner wird, entfaltet sich ein schillerndes Tauziehen hinter den Kulissen. Im Dunstkreis von Wahlbetrug, organisiertem Verbrechen und Immobilienspekulation tanzen die Hauptfiguren aneinandergekettet um die tödlichen Fallen herum. „The Devil’s Deal“ hätte auch im Kino einen extrem überzeugenden Eindruck gemacht; hat der Film ja auch in seiner Heimat.

Bewertung: 3.5 von 5.

The Devils Deal
OT: Daewoebi: Gwonryeok-ui Tansaeng
Genre: Thriller, Drama
Länge:116 Minuten, ROK, 2023
Regie: Lee Won-tae
Schauspiel: Cho Jin-woong, Kim Mu-yeol,
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Busche Media
Kinostart: nicht in Deutschland
Digital-VÖ:
Mediabook-VÖ: 06.03.2025

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