Out of this World: Ein Uber in die Unterwelt

Der bärtige junge Mann, der einen vom Filmplakat beziehungsweise vom Blu-Ray-Cover anstarrt, hat etwas Fanatisches. Da könnte genauso gut ein orthodoxer Priester oder ein islamischer Fundamentalist in die Welt starren. Ist aber beides nicht der Fall. In Marc Fouchards Thriller „Out of this World“ hat ein einzelgängerischer Taxi-Fahrer ein Gewaltproblem.

Leo (Kévin Mischel) redet nicht viel und verdient sich seinen Lebensunterhalt als Uber-Fahrer. Der junge Mann ist vernarrt in Musik und komponiert auch selbst. So oft wie möglich spielt er den Fahrgästen ungefragt seine selbst komponierten Tracks vor. Gespannt wie die Reaktion ausfällt. Viele nehmen die musikalische Untermalung gar nicht wahr, einige fühlen sich gestört und selten einmal kommt Leos Musik sogar gut an.

So wie bei der Tänzerin Amélie (Aurélia Porter). Doch Amélie ist taub und nimmt nur die Schallwellen wahr. Leo bemerkt dies als er sie heimlich bei ihrer Tanzprobe beobachtet. Irgendwann ermuntert die taube Tänzerin den scheuen Uber-Fahrer, sie doch mal zu kontaktieren.

Der obdachlose Komponist

Doch Leo ist nicht nur menschenscheu, er hat auch keinen festen Wohnsitz und lebt in seinem Wagen. Gelegentlich verliert sich Leo in der Musik, die er hört, oder wird von Gewaltfantasien übermannt. Dann sucht er sich Opfer und tötet. Amélie wird immer mehr zur Sehnsucht in Leos Fantasien.

Zuschauer:Innen mögen die wortkarge filmische Erzählung über einen verstörten jungen Mann als mehr oder minder subtiles Psychogramm verstehen. In der Tat ist die Performance von Kévin Mischel fibrig und hypnotisch. Doch der Film macht es sich zu leicht und dem Publikum zu schwer.

Lange wortlose Beobachtungen aus Leos Alltag zwischen Taxi-Dienstleistung, musikalischem Ausdruck und Gewaltausbrüchen ergeben nicht von sich aus ein faszinierendes Bild. Auch und gerade, wenn sich alles an der Oberfläche abspielt. Es fällt schlicht schwer, in die Psyche des Protagonisten einzutauchen. Beziehungsweise, dort scheint sich kaum mehr zu finden als ohnehin zu sehen.

Der getriebene Messerstecher

Das ist in seiner konsequenten Ausformulierung sicher auch künstlerisch wertvoll über die Schilderung des Gewalttätigen als Ausdruck der Sprachlosigkeit hinaus. Und dennoch bietet der Film dann einen Background an, der Leo geprägt haben mag, wie er typischer nicht sein kann: Narben und Brandmale am eigenen Körper, hochsensibel bei Gewalt gegen Kinder und einen Mutter (?) die in der geschlossenen Abteilung dahinvegetiert. Das ist zu wenig, zu klassisch, zu flach und zu reduziert als zwangsläufige Entwicklung zum Soziopathen und Frauenmörder.

Die Bildwelten, die Regisseur Marc Fouchard („Persone(s)“, „Break“) erschafft, haben durchaus ihren Reiz und wissen zu faszinieren. Die Kamera ist oft sehr nah an den Figuren und die Stimmung immer bedrohlich und immer auf des Messers Schneide. Als Genrebeitrag ist das durchaus gelungen und hat zurecht keine Jugendfreigabe bekommen.

Inwieweit der Frauenmörder auch ein Frauenhasser ist, somit ein Incel, also jemand, der Frauen hasst, weil er unfreiwillig nicht als Sexualpartner akzeptiert wird und daraus eine Minderwertigkeit der Frau an sich ableitet, bleibt fraglich. Offensichtlich bleibt nur, dass Leo zwanghaft handelt und es scheinbar kein Entkommen gibt.

Der brutale französische Thriller „Out of this World“ zeigt seinen emotional gestörten Protagonisten als unnahbaren aber getriebenen Psychopaten. Letztlich ist die durchgehend bedrückende Stimmung aber eher abstoßend als faszinierend. Das lässt das Publikum auch ein bisschen ratlos und unterfordert zurück, zumindest mich.

Film-Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

Out of this World
OT: Hors du Monde
Genre: Horror, Thriller,
Länge: 94 Minuten, F, 2020
Regie: Marc Fouchard
Darsteller:Innen: Kévin Mischel, Aurélia Porter,
FSK: ohne Jugendfreigabe, ab 18 Jahren
Vertrieb: Donaufilm
Kinostart: Nicht in Deutschland
DVD- & VD-VÖ: 16.09.2022

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