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Mord auf Shetland – Staffel 1: Kein Baum zum Verstecken – nirgends

24.04.17 (Literatur, TV-Serien)

Kriminalgeschichten gehen nicht nur in Deutschland weg wie warme Semmeln. Egal, ob als Buch oder als Film oder als Serie, die Faszination für das Kapitalverbrechen scheint ungebrochen. Dabei steht den Stories und Fällen nur ein relativ knapp umrissener Handlungsspielraum zur Verfügung. Umso wichtiger wird es sich von der Konkurrenz abzuheben. Im Fall der nun als Home Entertainment- premiere bei Edel Motion erschienenen britischen TV-Krimi-Serie „Mord auf Shetland“ gelingt das einerseits durch den markigen und sympathischen Ermittler und andererseits durch die gekonnte Herausarbeitung des regionalen Umfeldes.  Das Shetland-Archipel im Norden Schottlands gibt die rauhe Umgebung für die Fälle von Detective Inspector Jimmy Perez. Der Polizist stammt aus der Feder der renommierten Krimiautorin Ann Cleeves.  Die aufwändige Produktion von der BBC. Mehr Qualitätsgaranten gibt es für gelungene Krimi-unterhaltung eigentlich kaum.

Detective Inspector Jimmy Perez (Douglas Henshall) stammt von den Shetland- Inseln. Nachdem seine Frau gestorben ist, ist er mit seiner Stieftochter als Polizist dorthin zurückgekehrt. Das findet Teenager Cassie (Erin Armstrong) zwar nicht immer lustig, aber im Großen und Ganzen hat sie sich gut eingewöhnt, zumal auch ihr leiblicher Vater Duncan Hunter (Marc Bonnair) auf den Shetlands lebt. Aber auch unter den rund 23 000 Einwohnern auf den kargen nordatlantischen Inseln gibt es Verbrechen und DI Perez hat zusammen mit seinem Team  einiges zu tun und kommt kaum dazu das alte Segelboot wieder flott zu machen. Das Team besteht aus Alison “Tosh“ Macintosh (Alison O’Donnell), Sandy Wilson (Steven Robertson) und Billy McBride (Stewart Porter).

Ziemlich bald nach seiner Rückkehr muss Jimmy Perez ausgerechnet den Mord an Sandys Großmutter aufklären. In „Im kalten Licht des Frühlings“ (OT: „Red Bones“) findet der junge Polizist seine Großmutter zuhause erschossen vor. Perez hat Schwierigkeiten den jungen Mann von den Ermittlungen abzuhalten. Und diese gestalten sich schwierig, denn in beiden Familienzweigen, bieten sich einige Verdächtige an. Aber auch die Ausgrabungsstätte direkt hinter dem Haus von Sandys Großmutter gibt Rätsel auf und könnte mit dem Mord im Zusammenhangstehen. Nervtötender Weise steht auf Mainland aber auch demnächst ein Volksfest an, das zahlreiche Touristen auf die Hauptinsel Mainland lockt und die Ermittlungen erschwert und Perez gleichzeitig auch Einsatzkräfte abfordert. Da hat man als Vater schon mal weniger Zeit für seine Tochter.

In „Die Nacht der Raben“ (OT: „Raven Black“) wird der Sonderling Magnus Bain (Brian Cox) zum Mordverdächtigen, als direkt in seiner Nachbarschaft in junges Mädchen tot am Strand gefunden wird. Wie es scheint, konnte der Fall in Verbindung stehen mit dem ungeklärten Verschwinden eines Kindes vor etlichen Jahren. Während die benachbarte Lehrerin sich ziemlich schnell sicher ist, das der schräge Magnus der Täter sein muss, gibt sich Perez alle Mühe die Vorverurteilungen von Tisch zu wischen und objektiv zu ermitteln.

In „Tote Wasser“ (OT: „Dead Water“) bekommt Perez überraschend Besuch von einem alten Freund, der kurz darauf mit dem Auto verunglückt. Allerdings war der Journalist auch beruflich auf den Shetlands unterwegs und es scheint, als hätte er einen Umwelt-Skandal an der Angel gehabt. Jimmy Perez beginnt zu ermitteln und zunächst bringt ihn der Fischfarmer Joe Dalhousie (David Hayman) auf die Spur des Energiekonzern Stone Gas. Außerdem muss sich Perez mit der aus Aberdeen eingeflogenen „Unterstützung“ herumplagen.

In „Sturmwarnung“ (OT: „Blue Lightning“) wird es für Jimmy Perez dann vollends persönlich. Während seine Tochter Cassie auf  einer Familienfeier auf Fair Island ist, wird dort eine Wissenschaftlerin tot aufgefunden. Die Biologen beobachten auf Perez‘ Heimatinsel Vögel und nun befürchtete der DI, dass auch seine Familie in den Todesfall verwickelt sein könnte, zumal auf der Feier auch ungeliebte Familienmitglieder aufgetaucht sind. Kollegin Tosh hat derweil mit den Folgen des kurzen aber ruppigen Fluges auf die nördlich gelegene Insel zu kämpfen.
Die vier in sich abgeschlossenen Fälle  von „Mord auf Shetland“ bieten ansprechende Kriminalunterhaltung, die nicht nur mit ihren geographischen Besonderheiten, dem rauen Klima und den ganz speziellen Anforderungen des Insellebens zu punkten weiß, sondern auch mit sehr solide konstruierten Kriminalfällen, guten Dialogen und Drehbüchern und nicht zuletzt einen sehenswert aufspielenden Darstellerriege.

Weil es sich bei den Morden auf Shetland  nicht um Thriller handelt, Ann Cleeves Leser wissen das, geht es nicht sonderlich spannend zu. Das tut dem Format allerdings keinen Abbruch, denn die Morde sind sehr kniffelig aufbereitet und die Ermittlungen folgen so manch falscher Fährte wie man das als Krimizuschauer zu schätzen weiß. Eine gewisse Düsternis, die man eventuell auch mit der Inselmelancholie dieses nordatlantischen Archipels, das gleichermaßen  schottisch wie skandinavisch wirkt, in Verbindung bringt, liegt schon über dem Leben und der polizeilichen Arbeit von Jimmy Perez.

Natürlich darf in jeder modernen Krimiserie auch das Privatleben der Hauptfiguren nicht ausgespart werden und auch in  „Mord auf Shetland“ sorgt Jimmys Witwerstatus und die Tatsache, dass er alleinerziehender Vater ist für  ein verbindendes Element der Handlung, während Tosh ihren Beziehungsstatus immer wieder hinterfragt und Sandy sich vorgenommen hat, seine Karriere voranzutreiben. Das alles ist von den jeweiligen Drehbuchautoren stilvoll und unterhaltsam für das Fernsehen adaptiert worden und von den jeweiligen Regisseuren mit viel Lokalkolorit und Stimmung gefilmt.

Das „Serienformat“ von „Mord auf Shetland“ ist ein bisschen tricky zu durchschauen, was wahrscheinlich mal wieder nur die Nerds interessieren wird. Die ersten vier in Deutschland als 100minütige Spielfilme ausgestrahlten Fälle basieren alle auf gleichnamigen Romanen von Ann Cleeves. Die Autorin, die auch für ihre kauzige Kommissarin Vera bekannt ist, die es gleichfalls zu  einer TV-Serie geschafft hat, hat  inzwischen zwei so genannte „Shetland-Quartette“ veröffentlicht.

Bei der Reihenfolge der TV-Adaptionen hielt man sich allerdings nicht an die originale Roman-Reihenfolge, so ist die Pilotfolge „Red Bones“ (Im Kalten Licht des Frühlings“) eigentlich der dritte Roman um Jimmy Perez und „Sturmwarnung“ ist sogar dem zweiten „Shetland-Quartett“ zugeordnet. Bei der BBC setzte man bei der Ausstrahlung auf ein anderes Serienformat und was uns als ein spielfilmlanger Fall präsentiert wird, ist ein jeweils 50minütiger Zweiteiler. Der Pilotfilm wird allgemein als „erste Staffel“ der TV-Serie angesehen, während die weiteren drei Fälle zu Staffel 2 gerechnet werden.

Inzwischen ist man im Vereinten Königreich mit der Vorfreude auf Staffel 4 beschäftigt, die in diesem Jahr ausgestrahlt werden soll. Ähnlich wie bei dem Serienformat „Vera“ basieren die weiteren Fälle aber nicht mehr auf Romanen von Ann Cleeves sondern sind Originalentwicklungen für das TV-Format. Dass dies nicht nur üblich ist, sondern sogar zu einer Steigerung der Qualität des TV-Formats führen kann hat nicht nur die Thriller-Serie „Hautnah – Die Methode Hill“ (OT: „Wire in The Blood“) bewiesen, die ursprünglich auf Charakteren und Romanen von Val McDermid basierte.

Freunde moderner Kriminalunterhaltung mit ausgeprägten regionalem Flair können im Fall von „Mord auf Shetland“ bedenkenlos zusehen. Die auf Romanen und Figuren von Ann Cleeves basierende BBC-Serie zeigt, dass auf den nordatlantischen Inseln mehr los ist,  als der immer wiederbelebte Versuch hier Schottlands nördlichste Whisky-Destille zu etablieren.

Movie Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

Mord auf Shetland: Pilotfilm und Staffel 1
OT: Shetland Season 1 & Season 2
Genre: TV-Serie, Krimi
Länge: ca. 480 Minuten, GB, 2012.2014,
Regie: Peter Hoar, David Moore, John McKay, Stewart Svaasand,
Romanvorlage: Ann Cleeves
Darsteller: Douglas Henshall, Steven Robertson, Alison O’Donnell, Erin Armstrong,
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Edel Motion
DVD-VÖ: 13.04.2017

 

offizielle „Shetland“-Seite der BBC

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