Lesbian Space Princess: Intergalaktische unbewaffnete Rettungsmission

Selten einmal ist auch drin in der Verpackung, was auch draufsteht. Im Fall der animierten queeren Space Opera „Lesbian Space Princess“ hingegen, sagt der Titel, worum es geht. Die Prinzessin hat Liebeskummer und muss quasi erwachsen werden, dazu geht sie auf eine galaktische Rettungsmission. Zu bestaunen ab dem 22. Januar im Kino.

Üblicherweise ist es eine harter Beweis für Liebeskummer, wenn mensch die Klamotten der Ex-Partner:innen trägt. So die introvertierte Prinzessin Saira, die im „Sexy Bitch“ Pulli ihrer Verflossenen herumläuft. Die war und ist immer noch intergalaktische Kopfgeldjägerin und heiß und lesbisch, aber eben auch abenteuerlustig und hatte es sich lustiger vorgestellt eine Prinzessin zu daten. Also Abflug Kiki the Destroyer – und das trotz aufwändig geklebtem Beziehungsalbum.

Saira ist zwar die Tochter der Lesbischen Königinnen des Planeten Clitopolis, aber ihre immer noch sexy hexy Eltern sind mehr mit sich selbst als mit dem enttäuschenden Nachwuchs beschäftigt. Das liegt auch daran, das die Prinzessin eine Enttäuschung ist, denn es gelingt ihr nicht ihre königliche Labrys zu manifestieren. Diese goldenen Doppelaxt von magischer lesbischer Power.

Mit einen Macho-Raumschiff in der Sinnkrise…

All die Tränen haben wenig Sinn. Dann wird Kiki von Straight White Maliens entführt und die fordern die Labrys als Lösegeld. Selbst wenn Kiki überm Kochtopf hängend versichert, nicht mehr mit der Prinzessin zusammen zu sein. Im Darkweb lässt eine Drag Queen verlauten, sie würde die Labrys schon zum Leben erwecken und Saira macht sich auf den Weg.

Ausgerechnet mit einen extrem problematischen Raumschiff verlässt sie den lesbischen Safe Space des queeren Weltraums und beginnt die Rettungsaktion. Die läuft nicht wie erwartet und Saira landet auf einem Verlassenen Planeten not. Ausgerechnet hier will die Musikerin Willow ihr Soloalbum komponieren, nachdem sie aus einer queeren Indie Rock Band ausgestiegen ist. Wie also jetzt aus der Ödnis wegkommen um die Liebste zu retten?

In einer perfekten Welt wäre „Lesbian Space Princess“ „ein Film für die ganze Familie“ wie der Verleih und auch die Regisseurinnen auf dme Plakat behaupten. Doch hierzulande stuft die FSK den Film ab 16 Jahren ein, und zwar genau wegen der Filmaspekte, die den Charme der australischen Animationskomödie ausmachen: „Sexualität, Gewalt, Verletzung“. Möglicherweise ist der launige Plakatspruch aber auch anders zu verstehen, nämlich so, dass sich jeder in der Familie den Film anschauen sollte. Mensch konnte etwas lernen über Humor, Sexualität, Toleranz oder den Mangel an selbiger, und über Animation als vollwertiges Filmmachen.

…weg von der lesbischen Spielwiese

„Lesbian Space Princess“ ist keineswegs nur niedlich, weil ja ohnehin Zeichentrick. Eingeweihte, die seit Jahrzehnten subersiven „Simpsons“ und „South Park“ Humor und japanische Horror-Animes goutieren, wissen das ohnehin, aber es gibt immer wieder Letue, die bei dem Format so ihre Vorbehalte haben. Aber Ade, Bildungsbürgertum, das wird sich wohl ohnehin nicht in eine subversive queere Satire verirren, die explizit mit sexuellen Inhalten spielt und eine frohe und lustvolle Botschaft verbreitet.

Selbstredend braucht es in jedem Abenteuer auch Bösewichte. In diesem Fall die Straight White Maliens. also heterosexuelle weiße männliche Außerirdische. Die kriegen auch sonst gerne mal ihr Fett weg (oft genug auch zurecht, wenn Mann auf hegemonialer Männlichkeit beharrt). Lustiger Weise sehen die Bösewichte im Animations-Spektakel ausgesprochen albern aus, nämlich gerade und weiß und wie unbeschriftete Getränkekartons. Während sich das restliche Universum in Farben und Flecken, Räuschen und Bäuschen, im schönen Scheitern und lustvollen Experimentieren versucht, diskutiert man in Villa Schnauzbart noch über Sammelkarten und Marvel-Superhelden-Verfilmungen.

Lesbian Space Princess ist schon hinreißend überkandidelt und auch ein (bisschen) provokativ, auch wenn mensch das Humorprinzip irgendwann verstanden hat. Vor allem aber ist „Lesbian Space Princess“ endlich mal ein knallige Außerirdischen-Sichtung im Heteronormativen Unterhaltungskontinuum, die vom Weltfrieden träumen lässt. Und wie es sich für eine Weltraum-Ballade gehört wird am Ende alles gut – irgendwie.

Bewertung: 8 von 10.

Lesbian Space Princess
OT: Lesbian Space Princess
Genre: Animation, Sci-Fi, Komödie
Länge: 86 Minuten
Regie: Leela Varghese, Emma Hough Hobbs
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Salzgeber & Co
Kinostart: 22.01.2026

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