Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter: Der beste Urlaub

Drei Generationen der Familie sind mit einem Wohnmobil unterwegs und haben doch ganz unterschiedliche Reiseziele vor Augen. Das sorgt für einige Missverständnisse und einige Herausforderungen für den Altenpfleger, der als Fahrer mit dabei ist. Letztlich gibt es viele Gründe um im Sommer in die Schweiz zu fahren, aber in „Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter“ geht es um die letzten Dinge. Zu sehen im Verleih von Happy Entertainment, im Kino ab dem 1. Januar 2026.

Sicher gibt es fröhlichere Themen um in ein neues Kalenderjahr zu starten als Sterbehilfe. Die französische Komödie „Bon Voyage“ erzählt von der Achtzigjährigen Marie (Hélène Vincent), deren Krebs unheilbar zurückgekehrt ist und die nun keine Kraft mehr für die zu erwartenden Schmerzen hat.

Eigentlich wollte Marie mit ihrem Sohn Bruno (David Ayala) zu dem Arzttermin gehen, bei dem sie die Infos zur die Sterbehilfe in der Schweiz bekommt, doch Bruno sitzt bei der Bank fest, die ihm partout keinen weiteren Kredit für sein App-Projekt geben will. Also begleitet Altenpfleger Rudy (Pierre Lottin) Marie zum Termin. Der ist gerade seinen Job losgeworden, weil er bei einem Patienten mitgewohnt hat.

Erst hinterher schwant Rudy, was er da unterschreiben hat als vermeintlicher Sohn von Marie. Die muss nun in die Schweiz kommen und hat sich vorgenommen mit Sohn Bruno und Enkelin Anna (Juliette Gasquet) im lange nicht gebrauchten Wohnmobil von der französichen Mittelmeerküste in die Schweiz zu fahren. Nur hat Bruno keinen Führerschein mehr. Marie bittet Rudy zu fahern, der hat nichts besseres vor, stellt aber die Bedingung, dass Marie ihrer Familie die Wahrheit über den Ausflug sagt.

Denn die denken, es gehe um eine Erbschaft. Bruno ist begierig auf das Geld und Anna hofft endlich wieder Zeit mit ihrem dauerbeschäftigten Vater zu verbringen. Und so geht die Reise nicht ohne Zwischenfälle vonstatten.

Experten für Kommunikation

Wie sollte es anders sein, hat bei dieser drei Generationen reisegruppe jede:r so sein Problem zu schleppen. Anna bekommt unterwegs zum ersten Mal ihre Periode und weiß nicht wie damit umgehen. Zu allem Überfluss merkt sie beim Bindenkauf an der Autobahn-Tankstelle, das Bruno ihr Konto geplündert hat. Das trägt nicht gerade zur Familienbindung bei.

Wie nicht anders zu erwarten, tut sich Marie schwer damit, ihren Liebsten zu eröffnen, dass sie sterben wird und den Vorgang selbstbestimmt beschleunigen will. Doch eigentlich ist in dem halbwegs turbulenten Roadtrip selten mal Gelegenheit sich zu unterhalten. Beziehungsweise es lässt sich immer etwas anderes vorschützen.

Schauspielerin und Regisseurin Enya Baroux konzipiert ihr Langfilmdebüt als klassische Familienkomödie in Reiseetappen. Das ist dramaturgisch ein wenig absehbar und letztlich versöhnlich auf die Großmutter zugeschnitten. Über weite Strecken funktioniert „Bon Voyage“ sehr unterhaltsam und vor allem Altenpfleger Rudy trägt mit seiner Außenseiterposition in der Reisegruppe zur Dynamik des Films bei.

„Voyage, Voyage“ (Desireless)

Rudys flapsige Art auf Leuten zuzugehen und die gleichzeitige Sensibilität und Natürlichkeit im Umgang mit hilfsbedürftigen Senioren ist das Schmiermittel in diesem Familienkonstellation. Dabei ist es schon schön zu beobachte wie durch scheinbar kleine Gesten die Distanzen zwischen den Generationen sich verkürzen.

Sicherlich kann das Publikum sich fragen, was denn Anna über das Leben ihrer Großmutter denkt, wenn sie konstatiert, diese hätte den Sommer ihres Lebens. Mensch kann sich auch fragen, ob die Wohnmobilisten auf einem herkömmlichen Campingplatz nicht stimmiger aufgehoben wären als bei einem Treffen von Sinti und Roma, die auch noch Abschied nehmen von einer verestorbenen Mitreisenden. Aber es sorgt in „Bon Voyage“ für eine weitere Perspektive auf das Leben und das Sterben.

Womöglich würde hierzulande niemand ins Kino gehen, wenn eine französische Komödie einfach „Wir gehen“ („On Ira“) betitelt wäre. Was soll das sein? Wandertag? Pilgerreise? Aber mit „Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter“ hat sich der deutsche Verleih nicht gerade mit Originalität bekleckert. Es gibt buchstäblich dutzende Filme die „Bon Voyage“ heißen. Sei’s drum, der Grundgedanke der Reise wird vermittelt.

Die französische Komödie „Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter“ setzt sich auf launige und empathische Weise mit dem Sterben und mit Familienthemen auseinander. Das ist unterhaltsam anzusehen und für die große französische Actrice Hélène Vincent noch ein feines, spätes Schaulaufen.

Bewertung: 6 von 10.

Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter
OT: On ira
Genre: Komödie
Länge: 97 Minuten, F, 2025
Regie: Enya Baroux
Schauspiel: Hélène Vincent, David Ayala, Juliette Gasquet, Pierre Lotin,
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Happy Entertainment, 24 Bilder
Kinostart: 01.01.2025

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