Good Vibrations: Belfast Punk Szene

Party hinter dem Türchen #18 im #Filmadvent: Ein Musikfilm mit Wohlfühlfaktor, der in Irland spielt? Da fällt einem erst einmal Alan Parkers „The Commitments“ ein. Die im nordirischen Belfast angesiedelte Musikkomödie „Good Vibrations“ von 2014 schrammelt in dieselbe Kerbe, inszeniert allerdings einen anderen Musikstil – Punk Rock. Punk ist inzwischen alt genug um im Oldieradio gespielt zu werden und daher funktioniert „Good Vibrations“ auch auf breiter Basis und weiß mitzureißen.

Gegen Ende des Films, bei dem legendären in der Ulster Hall in Belfast angesetzten Benefizkonzert für seinen Plattenladen und Label „Good Vibrations“ bringt es „der Pate des Belfast Punk“ Terri Hooley auf dem Punkt. „New York has their haricuts, London has the trousers, but Belfast has the Reason!“ Damit subsummiert er all das, was die nordirische Punkszene gegen Ende der 1970er Jahre ausgemacht hat. Dass bei dem Benefizkonzert trotzdem ein Minus eingefahren wird, ist Terris musikverrückter Großherzigkeit geschuldet. Derentwegen zaubert er ganz spontan die längste Gästelsite der Geschichte der Ulster Hall aus den Hut.

Hast du Punk Platten?

„Good Vibrations“ basiert auf der Lebensgeschichte von Terri Hooley (Richard Dormer), der 1948 im nordirischen Belfast als Sohn eines sozialistischen Lokalpolitikers geboren wird. In seiner Kindheit verliert er ein Auge und begeistert sich früh frenetisch für Musik. Als DJ ist Terri einigermaßen erfolgreich, doch macht ihn die anschwellende Gewalttätigkeit des Nordirland-Konfliktes seit Ende der 1960er Jahre zunehmend beschäftigungslos. Dafür lernt er seine Frau Ruth (Jodi Whittaker) kennen.

Terri ist es leid, dass der religiöse Konflikt die Gesellschaft spaltet und sich seine früheren Freunde in verschiedene Lager aufgeteilt haben. Zu denen will er sich nicht zuordnen. Auch als politisches Statement macht er mitten in der von Bomben und Gewalt gebeutelten Grand Victoria Street einen Plattenladen auf. Das Geschäft läuft mäßig. Irgendwann taucht ein schnoddriger Teenager auf und fragt nach Bands, die in Terris musikalischer Welt nicht existiert haben, Punkbands.

Und dann beginnen die Teenies auch selbst Musik zu machen, Terri besucht den Gig und ist begeistert, also gründet er ein Plattenlabel und nimmt in der Folge die ersten Songs von Bands wie The Outcasts und The Undertones auf. Der Erfolg lässt allerdings auch bei dieser Unternehmung auf sich warten. Das ändert sich, als der der legendäre BBC-Radiomoderator John Peel „Teenage Kicks“ von The Undertones im Radio spielt.

Selbst eine Band gründen

„Good Vibrations“ ist nach „Cherry Bombs“ der zweite Spielfilm des Regieduos Lisa Barros D’sa und Glenn Leyburn. Das Drehbuch nach der Hooleys Autobografie „Hooleygan“ stammt von Colin Carberry und Glenn Patterson. Und für die Musik und deren Zusammenstellung zeichnet David Holmes („Out of Sight“, „Oceans Eleven“) verantwortlich. Eben die Musik ist es auch, die den Charme des Films ausmacht. Die Komödie lebt von der Begeisterung und der Power, die die Songs auch nach 35 Jahren noch ausstrahlen.

Daneben punktet „Good Vibrations“ mit viel Zeitkolorit und einigen nachdrücklichen aber nie schockierenden Impressionen der nordirischen Gewaltausbrüche. In gewisser Weise ist die Komödie auch ein Ausstattungsfilm und es gelingt die muffige Atmosphäre des heute legendären Plattenladens ebenso einzufangen wie die modischen Verrenkungen, die spießbürgerliche Vorortsiedlungen und die Pubs und Clubs.

Teenage Kicks

Die Besetzung spielt munter auf und bringt die Musikbegeisterung und den Punkgeist solide rüber. Viele der vornehmlich irischen Darsteller sind aus diversen Serien bekannt, Richard Dormer und Liam Cunningham etwa aus „Game of Thrones“, das ja auch in Nordirland gedreht wurde, Mark Ryder aus „Borgia“. Aber vor allem die jungen Darsteller wirken frisch und unverbraucht.

Terri Hooley fungiert auch als Erzähler, der mit seiner Offstimme durch seine eigene Lebensgeschichte führt und dabei immer auch für einen Spruch gut ist. Das hat gelegentlich seinen Charme, ist aber auch etwas trutschig und hat den Stil eines alten Mannes, der sich an früher erinnert. Dem spontanen Punk Movement läuft das etwas zuwider. Und es nimmt dem Film viel von der rebellischen Energie, die er bei dem Thema auch entwickeln könnte. Stattdessen kommt so eine Nostalgie zum Ausdruck, die auch in die Hauptsendezeit passt. Spaß macht „Good Vibrations“ trotzdem, wenn mensch die Musik mag. Brutstatt.de hatte den Film zum Kinostart bereits in Kurzform vorgestellt.

Good Vibrations“ ist keine Doku über die Belfaster Punk-Szene und den legendären Plattenladen, sondern ein weitgehend gelungenen musikalische Komödie über das Urgestein und den „Paten des Belfast Punk“ Terri Hooley, die gut unterhält.

Bewertung: 7 von 10.

Good Vibrations
OT:; Good Vibrations
Genre: Musikfilm, Komödie
Länge: 102 Minuten, GB, 2012
Regie: Lisa Baros D’Sa, Glenn Leyburn
Schauspiel: Richard Dormer, Jodie Whittacker, Liam Cunningham,
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Rapid Eye Movies REM,
Kinostart: 08.05.2014
DVD-VÖ: 17.10.2014

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