Neu auf CD: Femi Kuti „Africa For Africa“

Africa for AfricaEindeutig Afrobeat! Aber rau, mit Ecken und Kanten und dem Hang zu extrovertieren Instrumentalpassagen. „Africa for Africa“, das jüngst veröffentlichte Album von Femi Kuti, lasst keinen Zweifel, dass der Saxofonist und Aktivist mit der politischen Situation in seiner Heimat Nigeria und in Gesamtafrika unzufrieden ist.

Der Bandleader hatte sich mit seiner Truppe The Positive Force für die Aufnahmen zum Nachfolger von „Day by Day“ (2008) nach Lagos begeben und ganz bewusst auf den State of the art der studio-Technik verzichtet. In Nigerias ehemaliger Hauptstadt fand man ein leerstehendes Studio und reaktivierte es, um einfach näher am Puls der Metropole zu sein. Komfortabel sei etwas anderes, hat Femi Futi in Interviews festgestellt, aber es ging um authentische Athmosphäre.

Davon gibt es reichlich auf dem neuen Album. Die 14 Songs sind soundmäßig roh und kantig und textlich sucht sich Kutis Wut auf die politische Klasse Afrikas rund eine Stunde lang ihre Bahn. Das ist zwar kein Punk, hat aber eine vergleichbare rohe Energie, die sich auf der stets heftig groovenden Bassline ausbreitet.

Die Stilmittel sind nicht neu und Femi Kuti bleibt seinen musikalischen Vorlieben treu: Anklänge an Jazzgrößen wie auch an das Werk seines Vaters sind deutlich, aber Femi hat schon längst einen eigenen Weg gefunden. Auf der Bühne funktioniert das ganz mitreißend und bleibt bei allem Hang zur Polyrhyhtmik und Jazz immer absolut tanzbar. Der Bericht vom Hamburg-Konzert folgt.

Der eine oder andere mag den Sound altbacken, unzeitgemäß oder retro finden, doch das wird der Musik nur bedingt gerecht. Auch westliche Pop- und Rockgrößen besinnen sich häufig genug auf ihre musikalischen Wurzeln und werden dafür auch noch über den grünen Klee gelobt. Nun nimmt sich ein afrikanische Musiker und Bandleader das gleiche Recht heraus und liefert ein grandioses Album ab. Und es ist letztlich nur ein formaler Ausdruck der Kritik Femi Kutis. Die Form folgt dem Inhalt.

Fazit: Femi Kuti liefert mit seiner Band The Positiv Force ein treibendes, ambitioniertes Album vor. „Africa for Africa“ überzeugt gerade wegen seinem Mut zur Wut auch musikalisch. Vielleicht sollten Neulinge in der Afrobeat-Materie eher mit „Day by Day“ loslegen, allen anderen sei „Africa for Africa“ sehr ans Herz gelegt.

Album Rating: ★★★★★★★★½☆ 

Titel: Africa For Africa
Interpret: Femi Kuti & the Positive Force
Dauer: 64 Minuten
Inhalt: 14 Songs
Vertreib: Wrasse Records (Harmonia Mundi)
VÖ: 12. November 2010

Weiterführende Links
Femi kutis Myspace-Seite
Homepage von „The Shrine“ , der Afrobeat-Seite schlechthin
Deutscher und englischer wikipediaeintrag zu Femi Kuti
Aktuelles englisches Interview mit Femi Kuti

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