„Die Straße“ von Cormac McCarthy

Literaturverfilmung: "The road"Seit vergangenem Donnerstag läuft „The Road“ in einigen wenigen deutschen Kinos. Regisseur John Hillcoat („The Proposition“) inszeniert Viggo Mortensen („Tödliche Versprechen“) in einem finsteren Endzeitszenario. Grund genug, sich der großartigen  literarischen Vorlage zu widmen: „The Road“ (deutscher Titel „Die Straße“) von Cormac McCarthy. Der amerikanischen Autor wurde dafür 2007 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

„Ein Vater und sein Sohn wandern durch ein verbranntes Amerika. Nichts bewegt sich in der zerstörten Landschaft, nur die Asche im Wind. Es ist eiskalt, der Schnee grau. Ihr Ziel ist die Küste, obwohl sie nicht wissen, was sie dort erwartet. Sie haben nichts als einen Revolver mit zwei Schuss Munition, ihre Kleider am Leib, eine Einkaufskarre mit der nötigsten Habe – und einander.“, soweit der Klappentext.

Asche im Wind, Kälte in den Knochen

Doch wer sich nun an klassische Science-Fiction oder postapocalyptische Action denkt, wird enttäuscht. Vielmehr schleudert McCarthy seine Leser mitten hinein in eine düstere, tote Landschaft, in der die Hoffnung selbst aus dem letzten Loch keucht. Es gibt keine Bezugspunkte, keine Orientierung, weder Kapitel noch Erklärung. „Die Straße“ ist keine einfache Lektüre.

Der Mann und sein Sohn bewegen sich aus purem Überlebenstrieb weiter. Stillstand und Verweilen bedeuten in der feindlichen und öden Umgebung den Tod. Unterwegs kommt es, wie bei McCarthy üblich, zu wortkargen, kryptischen und archaischen Begegnungen, die trotz ihrer Handlungsarmut durch ihre tiefe Finsternis fesseln.

Während der Autor seine Protagonisten bisher mit Vorliebe in den wüsten Weiten des US-amerikanischen Südens herumstreunen ließ, ziehen Vater und Sohn in „The Road“ quer durch das gesamte Land. Viel Unterschied macht das allerdings nicht: Karge, trostlose Landschaft war schon immer eines von McCarthys bevorzugten Stilmitteln. Kaum ein Schriftsteller ist in der Lage, die Ödnis so lebendig und grandios zu beschreiben.

Überleben, egal wie

Auch McCarthys Fähigkeit, das Leben auf seine Grundelemente zu reduzieren und so zu zelebrieren, sucht ihresgleichen und macht einen großen Teil der Faszination aus. Das alles spiegelt sich in scheinbar schlichter, erdiger Sprache wieder. Auch die Übersetzung von Nikolaus Stingl, McCarthys Übersetzer seit „Cities of the Plain“ (Deutsch: „Land der Freien“), ist gelungen.

Am nächsten steht „Die Straße“ dem grandiosen und abgründigen „Blood Meridian“ (Deutsch: „Die Abendröte im Westen“).  Mit dem vor Spannung und Action nur so strotzenden „No Coutry for Old Men“ (deutsch: „Kein Land für alte Männer“ ) hat „Die Straße“ jedenfalls herzlich wenig zu tun.

Fazit: In den USA wurde „Die Straße“ über den gründen Klee gelobt, als „das Buch, das dem Alten Testament am nächsten komme“. Soviel Enthusiasmus ist vielleicht übertrieben und im Werkvergleich ist „Die Straße“ nicht das stärkste Werk von McCarthy. „Die Straße“ ist ein zutiefst düsteres Vergnügen und von einem milden Alterswerk kann keine Rede sein.

Book Rating: ★★★★★★★★½☆ 

Cormac McCarthy: „Die Straße“
Originaltitel: „The Road“
Rowohlt Verlag, 2007, 253 Seiten.
Als Taschenbuch und gebundene Ausgabe erhältlich.

Weiterführende Links:

deutscher Wikipedia-Eintrag zu Cormac McCarthy

Cormac McCarthy’s Homepage

zur Film-Rezension von „The Road“

4 Kommentare

Manuel 2010/10/26

Das klingt extrem interssant. Ist es sehr anspruchsvoll bzw. erfordert es viel Interpretationsarbeit? Oder kann man das auch als Bahn- und Bettlektüre verwenden?

nofrank 2010/10/27

McCarthy ist häufig eher beschreibend, macht dann aber kryptische, symbolische Anspielungen. die kann man allerdings auch einfach überlesen. Wenn man die finstere Stimmung nicht mit in den Traum nimmt, auch als Bettleküre geeignet. Versuch macht klug.

Manuel 2010/10/29

Buch ist gekauft und die ersten Seiten gelesen. Schreibstil gefällt mir, auch wenn ich mit einigen Worten und Einwürfen so gar nichts anfangen kann („Muttergestein, das.“ ?!?) bin gespannt, ob’s gut wird.

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