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Stark – The Dark Half: Der Fluch des Erfolgs

26.02.18 (Film, Literatur)

Die Werke des amerikanischen Bestseller-Autors Stephen King gehören längst auch zum Fundus der amerikanischen Filmindustrie und es gibt einen ganzen Haufen an Verfilmungen von Kings Romanen und Kurzgeschichten. Einige sind Klassiker, andere grandiose Flops und wieder andere erleben von Zeit zu Zeit ein kleines Revival. So auch „Stark – The Dark Half“. Der Thriller von Horror-Altmeister George A. Romero wurde in Deutschland jüngst vom Index geholt und ist nun in voller Pracht und ganzer Länge auf DVD, Blu-ray und in einer Collector’s Edition erschienen.

Der Schriftsteller Thad Beaumont (Timothy Hutton) führt mit seiner Frau Liz (Amy Madigan) und den beiden Zwillingen im Kleinkindalter ein beschauliches Leben in Castle Rock. Thads literarischer Erfolg ist zwar mäßig, aber er unterrichtet auch noch am College. Eines Tages droht ein übereifriger Student damit, Beaumonts Pseudonym George Stark aufzudecken.

Als George Stark schreibt Thad brutale und sexistische Thriller, die regelmäßig auf den Bestseller-Listen landen. Doch bevor er sich erpressen lässt, beschließt der Autor, sein Pseudonym werbewirksam zu Grabe zu tragen und das literarische Geheimnis selbst zu enthüllen. Allerdings weigert sich George Stark zu sterben und nachdem die symbolische Grabstelle geschändet wurde, wird nicht nur der Student ermordet, der Thad erpressen wollte. Polizeichef Alan Pangborn (Michael Rooker) glaubt nicht an die Existenz einer bösen, dunklen Hälfte von Thads Schriftstellerei.

Obwohl der Film mit Timothy Hutton in der Haupt- und Doppelrolle als Thad Beaumont und George Stark bereits 1990 fertiggestellt wurde, kam der Thriller erst 1993 in die Kinos. George A. Romero hatte 1988 mit „Der Affe im Menschen“ einen soliden Flop gelandet und so richtig traute die Filmfirma ihm wohl auch dieses Mal keinen Erfolg zu. Dabei hatte der 2017 verstorbene Romero („Night of the Living Dead“) bereits zu Beginn der 1980er eine Story von Stephen King verfilmt und mit Einverständnis des Autors ein Drehbuch geschrieben, das sehr nah am Buch bleibt.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum „Stark – The Dark Half“ bisweilen ein wenig hüftsteif wirkt und dramaturgisch doch recht bieder rüberkommt. Um dem Filmprojekt nun aber gerecht zu werden, fällt die Bewertung doch etwas differenzierter aus. Dramaturgisch und hinsichtlich des Spannungsaufbaus ist „The Dark Half“ sowohl typischer Stephen-King-Stoff wie auch ein typischer Romero-Film. In dessen vermeintlicher inszenatorischer Schlichtheit liegt das Bestreben, die Story und die Charaktere für sich wirken zu lassen. Und das Kalkül geht auf, denn Timothy Hutton meistert den Wechsel der beiden Autoren-Zwillinge mit schillernder Bravour.

Make-up und Inszenierung helfen zwar bei der Verwandlung, aber wie Romero im 2014 gedrehten „Making of“ „As The Sparrows Fly“ gesteht, trugen Huttons Method-Acting-Ansätze schon recht diktatorische Züge und waren für das Team nicht immer leicht zu erdulden. „George Stark“ hatte einen eigenen Trailer und während dessen Drehs durfte Hutton nur mit George angesprochen werden, um nicht aus der Rolle zu fallen. Das Ergebnis ist trotz der seltsam an Hitchcocks „Vögel“ erinnernden Sperlings-Aufkommen, durchaus gruselig.

Warum indes der Film in Deutschland indiziert wurde und nur in gekürzter Fassung auf dem Markt kam, ist heute kaum noch nachvollziehbar. Sicher, die anfängliche Operationsszene ist nichts für schwache Mägen und auch im weiteren Verlauf geht es bisweilen an die Eingeweide, aber alles aus heutiger Sicht kein Grund den Film zu zensieren. Was übrigens auch für Sam Raimis „Evil Dead“ gilt, der bei uns „Tanz der Teufel“ heißt.

Der Schriftsteller Stephen King hat selbst unter dem Pseudonym Richard Bachmann geschrieben und war von Aufdeckung bedroht. Insofern ist „Stark – The Dark Half“ auch ein autobiografischer Roman; wie eigentlich alle Werke, in denen auch Schreiber vorkommen, etwa „The Shining“ oder „Das geheime Fenster“, und das Zwillingsthema zieht sich nicht umsonst wie ein roter Faden durch die Geschichte in „The Dark Half“: Kunst und Kommerz sind die beiden Seiten einer Münze.

Alles in allem ist George A. Romeros Verfilmung von Stephen Kings „Stark – The Dark Half“ optisch etwas in die Jahre gekommen, aber weder die Geschichte noch die Darsteller haben am Attraktivität eingebüßt und „The Dark Half“ ist ein filmisches Kleinod in der Geschichte des Horror-Genres.

Movie Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

Stark – The Dark Half
OT: The Dark Half
Genre: Horror, Mystery, Thriller
Länge: 122 Minuten, USA, 1993
Regie: George A. Romero
Romanvorlage: Stephen King
Darsteller: Timothy Hutton, Amy Madigan, Michael Rooker
FSK: ab 16 Jahren
Extras: Audiokommentare, Trailer, Making Of (nur BD & Collector’s Edition)
Kinostart: 10.06.1993 (geschnittene Fassung)
DVD- & BD-VÖ: 08.02.2018

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