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Call My Agent – Staffel 1: Künstlerseelen und Arbeitskämpfe

05.01.18 (TV-Serien)

Mit der TV-Serie „Call My Agent“ um eine Künstleragentur in Paris kommt das nächste TV-Serien-Highlight mit viel Vorschusslorbeeren aus Frankreich auch bei uns auf den Markt. Wer die sechs Folgen der ersten Staffel im Dezember auf dem Sony Channel verpasst hat, kann sich mit der bei Edel: Motion erschienen DVD Box on „Call My Agent“ unterhalten lassen. Und so viel sein vorab versprochen: Es wird turbulent.

Als der Inhaber der Pariser Künstleragentur ASK überraschend im Urlaub verstirbt, sitzen seine vier angestellten Agenten erst einmal ziemlich dumm da. Der betrieb muss weitergehen, die Künstler wollen schließlich weiterhin vertreten werden, aber die Zukunft der Agentur ist ziemlich ungeklärt. Die witwe des Chefs möchte den Laden am liebsten loswerden, weil ihr verstorbener Gatte ständig etwas mit irgendeiner Schauspielerin hatte, und es gibt auch Interessenten, die die Agentur und ihre Kontakte aufkaufen wollen.

Aber Mathias (Thibault de Montalembert), der sich sowieso schon wie der neue Chef aufführt, die resolute Andrea (Camille Cottin), das Agentur-Urgestein Arlette (Lilianne Rovère) und der sympathisch verschlumpfte Gabriel (Grégory Montel) überlegen auch, die Agentur zusammen zu kaufen und weiterzuführen. Nur die Finanzierung müsste noch geklärt werden.

Und während Gabriel es nicht übers Herz bringt, seiner Klientin Cécile De France (dargestellt von Cécile De France) zu sagen, dass aus der Rolle im neuen Tarantino doch nichts wird, weil die Produzenten sie zu alt für die Rolle finden, hat Mathias ganz andere Probleme als plötzlich eine junge Frau aus der Provinz in der Agentur auftaucht. Mathias wimmelt die Provinzpflanze zwar ab, aber Andrea braucht dringend eine neue Assistentin, weil ihre aktuelle gerade einen Nervenzusammenbruch erlitten hat. Also Alltag im der Künstleragentur ASK, die in Frankreich branchenübliche zehn Prozent von ihren Kunden nimmt, wenn diese eine Gage einstreichen (daher auch der Originaltitel „Dix pour cent“).

Als „Call My Agent“ 2015 in Frankreich ausgestrahlt wurde, konnte das charmante Format mit Rekordquoten rechnen. Das Konzept mit echten Stars, die sich selbst in Gastrollen spielen, eine Serie um die Filmbranche zu drehen, ging auf. Das ist nicht nur den Gaststarts zu verdanken, die mit viel Selbstironie zu Werke gehen, sondern auch den sensibel gestrickten Drehbüchern, die nicht nur feine Dialoge und nette Insider-Jokes verarbeiten, sondern jeweils auch individuell auf die Gaststars eingehen und es gleichzeitig schaffen, die Rahmenhandlungen stetig voranzutreiben. Die Gaststars in den sechs Folgen der ersten Staffel sind neben Cécile De France, Francois Berléand, Natalie Baye, Audrey Fleurot und andere.

Zwar werden die sich durchziehenden Handlungsstränge wie Andreas Liebesleben, der Verkauf der Agentur und die neue Assistentin im Team nicht in den Vordergrund gestellt, aber sie bieten ein interessantes Serienfundament auf dem die jeweiligen Folgen in sich abgeschlossene Episoden erzählen können. Interessant und turbulent wird es immer dann, wenn zwei der Agenten oder der von ihnen vertretenen Künstler sich bei einem potentiellen Job gegenseitig in die Quere kommen. Sehr zur Freude des Zuschauers kommen da herrlich auf die Spitze getriebene Dramuletten zu Tage, und fordern den kreativen Künstlervermittlern einiges an Fantasie und Einsatz ab.

Eine nicht unwesentliche Rolle in diesem Zusammenhang spielen auch die drei Assistenten der Agenten (Arlette braucht keine Assistenten und schleppt statt dessen ihren Hund Jean Gabin mit ins Büro). Auf dieser „Sekretariatsebene“ der Agentur eröffnen sich noch ganz andere Komplikationen, aber auch überraschende Rettungsanker.

Dass die Serie in Frankreich so gut eingeschlagen hat, liegt sicherlich an den Drehbüchern, für die neben Serien-Macherin Fanny Herrero auch noch Dominique Besnehard zuständig ist, der ist selbst Schauspieler und war lange Jahre auch Casting Director für Filmproduktionen (u.a. „Der Name der Rose“, „Diva“). Zudem ist als kreativer Kopf und Berater der Serie der Filmemacher Cédric Klapisch („Barcelona für ein Jahr“ – „L’auberge Espaniol“, „Der Wein und der Wind“) mit an Bord, dessen Händchen für Ensemblefilme sicher zum Gelingen von „Call My Agent“ beigetragen hat. Zudem führt er selbst bei zwei Episoden Regie.

Bisweilen will der Dialogwitz in der deutschen Sprachfassung nicht so recht zünden, beziehungsweise wirkt etwas holprig. Das mag an der Synchronisation liegen, tut der Unterhaltung aber wenig Abbruch. Auch dass einige Wendungen etwas absehbar sind, ist kein Störfaktor. Schließlich will man die Darsteller in „Call My Agent“ durch die Serie flanieren sehen und wartet nicht auf ausgeklügelte Coups.

Bei allem turbulenten Überschwang, geht es der Serie „Call my Agent“ aber vor allen Dingen um gute und nicht allzu schwere Unterhaltung. Und das Konzept geht auf: Mit der Leichtigkeit französischer Couisin zergeht „Call My Agent“ auf der Zunge. Charmant, charmant.

Movie Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

Call My Agent – Staffel 1
OT: Dix pour Cent
Genre: TV-Serie, Comedy, Drama,
Länge: 6 x 55 Minuten, F, 2015
Idee: Fanny Herrero
Drehbuch: Dominique Besnehard, Fanny Herrero
Regie: Cédric Klapisch, Antoine Garceau, Lola Doillon,
Darsteller: Camille Cottin, Thibault de Montalembert, Grégory Montel, Lilianne Rovère, Fanny Sidney

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