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Mitternachtskinder: Freiheit und Bruderzwist

07.08.17 (Film, Literatur)

Mit seinem Roman „Mitternachtskinder“ hat Autor Salman Rushdie 1981 auf recht fantastische Weise auch die Geschichte der Entlassung von Indien und Pakistan aus der britischen Kolonialherrschaft erzählt. Für die Verfilmung, die die Filmmacherin Depa Mehta 2012 drehte, schrieb Rushdie das Drehbuch und übernimmt die Rolle des Erzählers. Eine magisch-realistische Reise in die Anfangszeit der indischen Unabhängigkeit.

Genau um Mitternacht am Tag der indischen und pakistanischen Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft, also am 15. August 1947, werden in einem Krankenhaus im Mumbay zwei Jungen geboren: Der eine, Saleem Sinai, als Sohn eines armen Straßenmusikanten, der andere, Shiva, als Sohn eines wohlhabendenden aufstrebenden Händlers. Eine Krankenschwester spielt Schicksal und vertauscht aus einem wirren Gerechtigkeitsgefühl heraus die beiden Säuglinge.

Doch die Leben von Saleem und Shiva sind auch auf andere Weise miteinander verknüpft, denn alle Kinder, die in jener Nacht auf dem indischen Subkontinent geboren wurden, haben eine magische Verbindung zueinander. Die Krankenschwester allerdings hat später hat ein schlechtes Gewissen und arbeitet als Kindermädchen für Shivas Familie. Und während sich das vornehmlich hinduistische Indien und das muslimische Pakistan immer weiter auseinander entwickeln, wachsen die beiden Jungen zu Männern heran.

Die Geschichte von „Mitternachtskinder“ beginnt freilich weit vor der Geburt des Erzählers Saleem. Der hat allerdings, typisch Salman Rushdie, keine Probleme, auf hintersinnige und humorige Weise seine Familiengeschichte darzulegen, bis er selbst endlich auf der Bildfläche erscheint.

Die große Schwierigkeit diesen grandiosen, mit dem Booker Pize ausgezeichneten Roman zu verfilmen, liegt vor allem in der Fülle an Figuren und Handlungssträngen. Mit dem Hauptaugenmerk auf den beiden ungleichen Männer Shiva und Saleem, die auch stellevertretend für Pakistan und Indien stehen, gelingt es Rushdie und Mehta aber, ein in sich stimmiges Drehbuch zu schaffen, das im Film bestehen kann.

Sicher verliert die Verfilmung „Mitternachtskinder“ gegenüber dem Roman Nuancen und Detailreichtum und einiges an Rushdie-typischem Humor, gewinnt aber andererseits eine stringente Erzählung, die in ihrer politisch-historischen Dimension auf der Leinwand extrem eindrücklich rüberkommt und als Parabel für die Geburt der Nationalstaaten Indien und Pakistan von großer Klarheit ist, ohne den magischen Realismus des Romans außen vor zu lassen.

Mit seinen 146 Minuten hat „Mitternachtskinder“ solide Bollywoodlänge, aber abgesehen von der Farbenpracht und der typisch indischen Verspieltheit wenig Gemeinsamkeiten mit diesem populären Filmtypus. Andererseits weiß Regisseurin Deepa Metha die typisch indische Filmsprache effektvoll einzusetzen und mit Rushdies Erzähltradition zu verknüpfen.

Im Vergleich etwa zu dem Historienepos „Der Stern von Indien“, das im August 2017 in die Kinos kommt, führt allein die literarische Vorlage zu einem völlig anderen Erzählansatz für das komplexe Thema der indischen Teilung. „Der Stern von Indien“ hat seinen Fokus da eher auf den politischen Ereignissen, die zur Trennung von Pakistan und Indien führten. Beide Filme stammen bemerkenswerter Weise von indisch-stämmigen Regisseurinnen und in weiterem Sinne ergänzen sich die Werke auch.

Die Literaturverfilmung „Mitternachtskinder“ ist eine überzeugende und sehenswerte Romanadaption, die im Original noch den zusätzlichen Charme besitzt, Autor Salman Rushdie selbst als Erzähler zu hören. Die grandiosen Bilder, die wundervoll mystische Stimmung und die leicht humoristische Erzähldistanz machen aus „Mitternachtskinder“ ein zweieinhalbstündiges, sehr kurzweiliges Leinwandfeuerwerk.

Movie Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

Mitternachtskinder
OT: Midnight’s Children
Genre: Literaturverfilmung, Historie,
Länge: 140 Minuten, CDN, GB 2012
Regie: Deepa Mehta
Romanvorlage und Drehbuch: Salman Rushdie
Darsteller: Satya Bhabha, Shahana Goswami, Rajat Kapoor, Shabana Azmi, Seema Biswas
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Vertrieb: Concorde
Kinostart: 28.03.2013
DVD-VÖ: 20. 08. 2013

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