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Orphan Black – Staffel 4: Verstecken hilft nichts

03.03.17 (Film, TV-Serien)

Fans haben die Fortsetzung der packenden Sci-Fi-Mystery-Thriller-Serie „Orphan Black“ mit Spannung erwartet und das Kronjuwel von BBC America funkelt auch in der vierten Staffel heller als die meisten Perlen, die im TV-Serien-Kosmos zu finden sind. Erneut liefert Hauptdarstellerin Tatjana Maslani, die auch als Produzentin fungiert, einen furiosen Parkour durch diverse Inkarnationen ab. „Orphan Black“ geht in der vierten Staffel auf eigenständige Weise einen Weg, den viele  erfolgreiche Serien einschlagen: Sie gehen wieder zurück zum Anfang.

Dazu gleich mehr. Zunächst aber der obligatorische Hinweis, dass es eigentlich keine Sinn ergibt, in der vierten Staffel in die großartige Serie „Orphan Black“ einzusteigen. Wer es dennoch wagen will, findet bei brutstatt.de Vorstellungen der Staffeln Eins, Zwei und Drei unter den entsprechenden Links. Und wie immer der Hinweis, dass es sich bei einer fortlaufenden Handlung kaum vermeiden lässt, zu spoilern. Deswegen wird das hier auch gar nicht versucht. Ich gehe davon aus, dass der interessierte Leser up to date ist, also auf dem Stand der Handlung am Ende der dritten Staffel.

„Revolution in their minds – the children start to march

Zwar haben es Sarah Manning (Tatjana-Maslany) und ihre Klon-Schwestern Allison, Cosima und Helena (alle Tatjana Maslany) am Ende der dritten Staffel geschafft, die Bedrohung, die von dem männlichen Klonen und dem „Castor“-Projekt ausging abzuwenden, aber ein Heilmittel für die tödliche Krankheit, die die Klone bedroht, ist immer noch nicht gefunden. Immerhin ist es den Klonen gelungen das genetische Ausgangsmaterial zu finden, mit dem die „Leda“- und „Castor“-Experimente einst in Gang gesetzt wurden. Das ist schon mal eine gute Ausgangssituation für Forscherin Cosima, die zusammen mit ihrem Labor-Kollegen Scott (Josh Vokey) versucht, eine Heilung zu finden.

Against the world in which they have to live

Aber die Ruhe für Sarah und ihre Tochter Kira (Skyler Wexler) hält nicht lange, denn obwohl das Dyad Institut quasi aus dem Rennen ist, ist es die Neolutionisten-Sekte noch lange nicht und die Freunde der biologischen und künstlichen „Weiterentwicklung“ des Menschen sind weiter an den Genexperimenten interessiert. Um die im Hintergrund agierenden Neolutionisten überhaupt zu finden, machen sich Sarah und Polizist Art (Kevin Hanchard) daran, zu überprüfen, was die Klonschwester und Polizistin Beth einst ermitteln konnte, bevor sie sich vor den Zug geworfen hat.

And all the hate that’s in their hearts

Währenddessen sind Vorstadt-Mutti Allison und Gatte Donnie vollauf damit beschäftigt, sich um die hochschwangere Helena zu kümmern. Die in der Ukraine aufgezogene Kampfmaschine unter den Klonen bemüht sich redlich Muttergefühle zu entwickeln, plündert aber vor allem den Kühlschrank von Allison. Als dann noch die Polizei vor Allisons Tür steht, wird die Situation schwierig. Doch auf die Hilfe von Sarahs Pflegebruder Felix (Jordan Gavaris) können die Klon-Schwestern vorerst nicht zählen, denn der ist selbst auf der Suche nach seiner leiblichen Familie.

They’re tired of being pushed around

Rachel, die unter mysteriösen Umständen aus dem Dyad-Institut entkommen konnte, findet sich derweil in einem Domizil auf einer abgeschiedenen Insel wieder, ausgestattet mit einem künstlichen Auge, das nicht so recht zu  funktionieren schient und in Gesellschaft ihrer „Mutter“  Susan Duncan (Rosemary Dunsmore). Die Wissenschaftlerin hatte einst mit den Klon-Experimenten begonnen und sucht ebenso wie die Schwestern um Sarah nach einer Heilung für die Klon-Krankheit – allerdings um die Forschung der Neolutionisten weiter zu treiben. Doch in der Sekte ist die Arbeit an den Klonen keineswegs die einzige Forschungsrichtung, um die Menschheit weiter zu entwickeln. Alternativ werden Manipulationen am Genmaterial lebender Menschen erforscht. Und auch Sarah hat einen beängstigenden Parasiten in der Wange.

Children of tomorrow live in the tears that fall today

Die vierte Staffel der Erfolgsserie „Orphan Black“ schafft es tatsächlich, mit der anfänglichen Rückkehr zur Ausgangssituation der Serie eine neue Richtung einzuschlagen, die auch nachvollziehbar ist und nicht so wirkt, als würde man inhaltlich einfach einen Reboot starten. Das ist an sich schon eine außergewöhnliche Leistung des Autorenpool um die beiden Serienerfinder Graeme Mansion, John Fawcett. Glücklicher Weise waren auch noch der Großteil der entsprechenden Requisiten und Sets von Beth’s Wohnung eingelagert, so dass die Serie hier einfach an die Optik anknüpfen kann.

Will the sun rise up tomorrow bringing peace in any way?

Für Hauptdarstellerin Tatjana Maslany ist die Figur der Polizistin Beth nicht die einzige neu dazu gekommenen charakterliche Herausforderung. Auch eine finnische Klon-Schwester, die aus der begleitenden Comic-Serie stammt, spielt in der vierten Staffel eine tragende Rolle. Zudem kommt einer nichts ahnenden Kosmetikerin, die in der dritten Staffel bereits kurz durchs Bild huschte, eine größere Rolle zu. Aber die  großartige Schauspielerin meistert auch diese neuen rollen und die Make-Up und Styling-Abteilung schafft es, die neuen Charaktere schnell erkennbar zu machen.

Show the world that love is still alive -You must be brave

Man muss die neue Richtung der Handlung nicht notwendiger Weise gut finden, auch mit dem Auftauchen einer männlichen Klon-Linie in der zweiten Staffel hat die Serie einige Zuschauer verloren, denen das Treiben zu abstrus wurde. Allerdings entwickeln die Autoren die Story sehr konsequent und mit viel Liebe zu den Charakteren und der (fiktiven) wissenschaftlichen Entwicklung weiter. Neu ist (erstaunlich bei der Thematik) eine Art „Body Horror“-Effekte, der inhaltlich durchaus fundiert ist, aber auch ein bisschen mehr Grusel- und Ekelfaktor in die Serie einbringt.   Das ist in sich alles sehr stimmig und sehr anspielungsreich. Die Themen Klonen und die Optimierung des Menschen bleibt hochaktuell. Das Dilemma zwischen Fortschritt und Ethik ist gerade im Bereich Gentechnik extrem aufgeladen und philosophisch schwierig zu fassen. Aber in diesem Grenzbereich bewegt sich die Handlung von „Orphan Black“ mit erstaunlicher Rasanz und extrem aufwändig inszenierter Spannung.

Or you children of today are Children of the Grave!“

Zugegeben gibt es in der vierten Staffel einige Durchhänger und dass Allison und Gatte Donnie vor allem für die humoristischeren Elemente zuständig sind ist ein bisschen absehbar und nicht immer sehr unterhaltsam. Aber das sind die Ausnahmen. Sowohl die Haupthandlung als auch die charakterliche und emotionale Entwicklung werden bei fast allen Charakteren konstant fortgeschrieben und wissen zu überzeugen. Dazu gehören auch die neuen Handlungselemente und die Konflikte innerhalb der Neolutionisten. Zwar ist die Handlung in gewisser Weise wieder einigermaßen abgeschlossen, aber etwas weniger Cliffhänger hätte nach zehn sehr unterhaltsamen Episoden auch gereicht.

Mit einigen Abstrichen kann auch die vierte Staffel der Erfolgsserie „Orphan Black“ von BBC America mit viel Spannung und einer sehr wendungsreichen Handlung überzeugen. Tatjana Maslany und ihre Kollegen sorgen nach wie vor für hochspannende und mysteriöse Serienunterhaltung.

Movie Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Orphan Black – ein Klon ist niemals allein – Staffel 4
OT: Orphan Black Season 4
Genre: Serie, Thriller, Sci-Fi, Mystery
Länge: ca. 450 Minuten, 10 Folgen
Idee: Graeme Mansion, John Fawcett,
Regie: John Fawcett, David Frazee, et al.
Darsteller: Tatiana Maslany, Dylan Bruce, Jordan Gavaris, Ari Millenopr
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Polyband
DVD- & BD-VÖ: 06.02.2017

 

[PS: Zwischentitel aus „Children of The Grave“ by Black Sabbath]

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