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Moon Knight: Ich bin viele

13.02.15 (Comic, Superhelden)

MOONKNIGHT1_vorschauIrgendwie gehört Marc Spector alias Moon Knight auch in die zweite Reihe der Superhelden, die nie zu Verkaufsschlagern wurden. Gleichwohl hat es seit 1975, als Doug Moench und Don Perlin  den Charakter für Marvel Comics erfunden haben, diverse Anläufe gegeben, Moon Knight als eigenständige Serie zu etablieren. Jetzt also ist auch Moon Knight nicht nur als Side-Kick und Mitstreiter  in der Marvel Now Ära angekommen und Warren Ellis und Decan Shalvey legen sechs beachtliche Einzelabenteuer vor, die man auch ohne Vorbildung in Sachen Charakterhistorie genießen kann. Im Prinzip ist „Moon Knight – Aus dem Reich der Toten“ düstere Thrilleraction mit einem Hauch Hich-Tech und Mystery.

Nachdem Autor Brian Michael Bendis und Zeichner Alex Maleev mit ihrem 2011 begonnenen Relaunch von Moon Knight nur zwölf Ausgaben vergönnt waren, hat sich Phil Spector als Moon Knight im Marvel Universum vor allem als Mitstreiter in diversen Events und Corssovern ausgezeichnet. Nun schicken Ellis und Shalvey ihren (Anti-)Held mit dissoziativer Persönlichkeitsstörung und neuem Outfit, das sich auch grandios im Artwork wiederfindet, im New York auf Verbrecherjagd. Zwar gilt der mysteriöse Vigilant bei der New Yorker Polizei noch immer als Gefährdung der Öffentlichkeit, aber Detective Flint nimmt dessen Hilfe gerne an. Zunächst bekommt es Moon Knight mit einer fiesen Mordserie im Untergrund zu tun, dann mit einem rachsüchtigen Heckenschützen, bevor es erstmals auch mit übersinnlichen Phänomenen zur Sache geht.

Ellis („Supergod“, „Freak Angels“) hält die US-Einzelausgaben als abgeschlossene, kurze Abenteuer knapp und die jeweiligen Finales fallen mitunter ein wenig abrupt aus, aber das gehört zum Erzählstil. Nachdem Moon Knight sich außerdem mit seinen multiplen Persönlichkeiten arrangieren muss, wird es dann auch inhaltlich außergewöhnlicher. In der Anlage des Helden lässt sich eine gewisse Nähe zu DCs Batman nicht verhehlen. Spector verfügt als ehemaliger Söldner über ein schier unerschöpfliches Vermögen und diverse technische Spielereien wie eine selbstfahrende Limousine und einen mondsichelförmigen, ferngesteuerten Gleiter. Auch bekommt es der Superheld nicht wie sonst üblich mit Superschurken zu tun. Das ist im Kontext des Genres recht erfrischend.

Das Artwork kann ebenfalls überzeugen. Shavley hat einen dynamischen und düsteren Stil, der von Bellaires Farben nur allzu atmosphärisch unterstrichen wird. Der optische Clou bei „Moon Knight“ ist allerdings, den Helden einfach nicht farbig anzulegen, solange er in seinen Gewändern herumläuft. In grandioser Schwarz-Weiß-Optik sticht die Figur immer aus dem Geschehen heraus und unterstreicht so den sowohl übernatürlichen wie unnahbaren Superhelden mit der gespaltenen Persönlichkeit. Leider hat das Kreativduo die Serie nach den sechs Auftakt-Heften wieder verlassen. Mission der Wiedererweckung erfüllt. Für Moon Knight, der als Serie noch läuft, sind nun Brian Wood und Greg Smallwood zuständig.

Die Charakterzeichnung bleibt allerdings recht vage, und Marc Spector bleibt auch nach den sechs Abenteuern ein Mysterium. Sicher, man weiß, dass er seine Existenz dem ägyptischen Gott Konshu zu verdanken hat und diverse andere Dinge, aber vieles bleibt im Dunkeln. Auch sind nicht alle der eigenständigen Episoden gleich herausragend. Vor allem „Sniper“ das zweite Abenteuer, ähnelt von der Storykonzeption dem ersten doch sehr und gefällt eher durch das großartige Panelling und das feine graphische Erzählen. Aber danach wird es deutlich origineller und in gewisser Weise bekommt Ellis dann auch einen großen Bogen erzählt.

Alles in Allem ist Warren Ellis und Declan Shalvey mit dem Marvel Now-Neustart von „Moon Knight“ eine lesenswerte Neuinterpretation des alten Recken gelungen. Weniger Superhelden-Action als vielmehr düstere Mysterien mit Flair.

Book Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

MOONKNIGHT1_Softcover_564 Moon Knight 1– aus dem Reich der Toten
OT: Moon Knight (Volume 5) 1 – 6, Marvel, 2014
Autor: Warren Ellis
Zeichner: Declan Shalvey
Farben: Jordie Bellaire
Übersetzung: Bernd Kronsbein
Verlag: Panini Comics, Softcover, 140 Seiten
VÖ: 27.01.2015

Moon Knight in der Marvel Wiki

Moon Knight bei Panini (mit Leseprobenlink)

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