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Mark Millar: Genosse Superman

18.12.14 (Comic, Superhelden)

GENOSSESUPERMANSOFTCOVER-vorschauEs ist ja nicht gerade so, dass es zu wenig Superhelden-Comics geben würde, aber die eine oder andere Wiederveröffentlichung hat schon ihre Berechtigung. So etwa „Genosse Superman“ aus der Feder von Autorenstar Mark Millar. Der Titel erschien ursprünglich 2003 bei DC in der „Elseworld“-Serie und wurde auch bei Panini auf Deutsch veröffentlicht. Nachdem die Ausgabe lange Zeit vergriffen war, können Superman-Fans diese Lücke nun rechtzeitig vor Weihnachten wieder schließen, vielleicht sogar mit der limitierten Hardcover-Ausgabe. Die Story lohnt sich allemal, auch wenn man den Stählernen als Helden ansonsten allzu übermächtig findet.

Alternative Welten zu erkunden ist eine klassische Disziplin der Science-Fiction. Im Medium Comic, gerade im Superheldenbereich, haben allerdings Weltenentwürfe, die sich von den bekannten unterscheiden, sogar ein wenig Überhand bekommen, zum Teil steigt man als Fan bei Marvel und DC nicht immer durch, wer sich gerade mit wem verbündet hat und wo die Action gerade abgeht.

In „Genosse Superman“ landet das Raumschiff, in dem sich der letzte Überlebende vom Planeten Krypton befindet, in der sowjetischen Teilrepublik Ukraine. Dort wächst Superman auf und entwickelt seine Kräfte, bis er in der Lage ist, dem großen sozialistischen Staat angemessen zu dienen. Schnell wird Superman zum Helden (nicht nur) der Arbeit und die USA befürchten mitten im Kalten Krieg, dieser außerirdischen Geheimwaffe nichts entgegensetzen zu können. Also muss der geniale Wissenschaftler Lex Luthor, der mit der Journalistin Louis Lane verheiratet ist, ran, um eine wirksame Gegenwaffe zu entwickeln.

Soweit der Auftakt der dreiteiligen Erzählung von Mark Millar („Kick-Ass“), die sich mit Supermans „Erscheinung“, Aufstieg“ und Niedergang“ beschäftigt. Die Story wird dabei im Rückblick aus Supermans eigener Perspektive vorgetragen und zielt weniger auf Actionsequenzen denn auf einen konsequent durchdachten, alternativen Geschichtsverlauf. Dabei kommt Millers Talent voll zum Tragen und das Artwork von Dave Johnson, der auch die Proletkult-Cover entwarf, und Kilian Plunkett macht aus der stilsicheren Story einen optischen Genuss.

Aber vor allem sind es die kleinen und großen Veränderungen an der bekannten Superman-Story, die den beinahe subversiven Charme von „Genosse Superman“ ausmachen. In dieser Welt erlangt der Kommunismus als besseres System die weltweite Oberhand und die kapitalistischen USA sind ebenso isoliert wie es Kuba in unserer Welt lange war. Luthor erschafft einige würdige Gegner für den Mann vom Krypton und Batman wird in dieser sowjetischen Welt zum terroristischen Kämpfer für das Ideal der Freiheit, allerdings aus rein persönlichen Rachemotiven.

Als „Genosse Superman“ 2003 erschien, war Autor Mark Millar schon längst nicht mehr bei DC Comics, sondern hatte bei Marvel bereits diverse Serien übernommen und kräftig an seinem Status als Kultautor gefeilt. Insofern ist „Red Son“ (so der Originaltitel) nur das I-Tüpfelchen auf einem beachtlichen Beitrag zu der Superman-Serie, den Millar für DC in den Jahren zuvor geleistet hat. Man kann nun lange und müßig darüber spekulieren, ob diese Story dafür mitverantwortlich war, dass die kreativen Differenzen zwischen dem schottischen Autor und den Kreativdirektoren von DC Comics zu groß wurden, um weiter zusammen zu arbeiten. Fakt bleibt, dass „Genosse Superman“ einer der besten „Elseworld“-Comics und alternativer Superheldenwelten  überhaupt ist.

Die Alternativwelt-Geschichte in „Genosse Superman“ hat inzwischen zwar schon ein Jahrzehnt auf dem Buckel, ist aber ebenso zeitlos wie großartig geschrieben. Wer dieses Meisterwerk von Mark Millar noch nicht kennt, sollte die Lektüre schleunigst nachholen, es lohnt sich.

Book Rating: ★★★★★★★★★☆ 

GENOSSESUPERMANSOFTCOVER_Softcover_420Genosse Superman
OT: Superman: Red Son 1-3. C Comics, 2003
Autor: Mark Millar
Zeichner: Dave Johnson, Kilian Plunkett, u.a.
Farben: Paul Mounts
Übersetzung: Christian Heiss
Verlag: Panini Comics, Softcover, 172 Seiten

VÖ: 25.11.2014

 

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