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Lewis – Der Oxford Krimi – Staffel 6: Neue Kollegen & heimliche Spiele

09.05.14 (Film, TV-Serien)

EPISODE 1-THE GENERATION OF VIPERSInzwischen gehören Inspektor Robert Lewis und sein schlaksiger Side-Kick Sergeant James Hathaway zu den etablierten Ermittlern des britischen Krimis. 2006 als Fortschreibung der Inspektor Morse Krimireihe nach Romanen und Motiven von Autor Colin Dexter begonnen, hat sich Morses ehemaliger Adjutant selbst zum brillanten Mordermittler gemausert. Aktuell ist die sechste Staffel der erfolgreichen Krimireihe, die hierzulande als Sonntagskrimi im ZDF läuft, auf DVD erschienen.

Lewis und Hathaway ermitteln in der altehrwürdigen englischen Universitätsstadt Oxford und nicht selten spielen sich die Mordfälle, die die beiden zu lösen haben, im akademischen Milieu ab. Doch zunächst hat es das Duo in „Gefangen im Netz“ (OT: „Generation of Vipers“) mit einem neuen Kollegen zu tun, der sich mit einer Großrazzia auf einer Cannabisplantage profilieren will. Detective Inspector Peterson (Jason Durr) wirkt nicht nur zupackend, er kommt auch der Gerichtsmedizinerin Laura Hobson (Claire Holman) näher, die der verwitwete Lewis schon seit Ewigkeiten kennt. Bei der Razzia jedenfalls kommen Hathaway und Lewis unvermittelt zu Fernsehruhm, als sie den flüchtenden Hanffarmer dingfest machen können.

EPISODE 1-THE GENERATION OF VIPERSDoch dann stehen wieder eigene Ermittlungen an, als eine Literaturprofessorin tot aufgefunden wird und einiges gegen einen Selbstmord spricht. Vor allem das zeitgleiche Auftauchen des Geschäftsmannes Conolly (Toby Stephens) und die Online-Partnersuche der Professorin sprechen gegen den Freitod. Die spielfilmlange Episode ist wie üblich in sich abgeschlossen; in England laufen die Fälle übrigens immer als Zweiteiler.  Regisseur David O’Neill inszeniert den Fall souverän und in gewohnter „Lewis“-Manier nach einem Drehbuch von Patrick Harbinson.

EPISODE 2-THE SOUL OF GENIUSIm nächsten Fall „Das Rätsel des Genius“ („The Soul of Genius“) kommt Sergeant Hathaway sein Theologiestudium zu Gute, denn die Leiche, die in der Nähe des Botanischen Gartens gefunden wurde, war zu Lebzeiten passionierter Rätsellöser und hat sich mit Lewis Carolls  absurdem esotherischem Gedicht „Die Jagd nach dem Schrak“ beschäftigt. Doch auch ein ominöser und geheimer Club für Genies macht die Ermittlungen komplizierter als erwartet. Außerdem bringt eine Gärtnerin des Botanischen Gartens den Junggesellen Hathaway in Verlegenheit. Drehbuchautorin Rachel Bennet konstruiert einen netten „Who dunnit?“-Fall, der von Regisseur Brian Kelly allerdings etwas unspektakulär umgesetzt wird.

Szenenfoto_7Aber Oxford lässt das Morden nicht und der dritte Fall der Staffel führt Lewis und Hathaway in die delikate Welt der erotischen Spielereien. Eine Babysitterin wird ermordet aufgefunden; nach „Bondage“- Art an ein Bett gefesselt. Die Ermittlungen verfolgen zunächst die Spur, es könnte ein Ritualmord gewesen sein. Doch irgendwie landen die Ermittler dann doch im Institut für Verhaltensforschung und schauen erwachsenen Männern dabei zu, wie sie mit Affen reden. Regisseur Nicolas Renton und Autor Russel Lewis haben schon einige „Lewis“-Fälle zusammen inszeniert und so ist „Heimliche Spiele“ (OT: Fearful Symmetry“) auch einer der stärkeren Fälle der Staffel.

Zum Abschluss dieser Ermittlungssaison haben es die beiden dann mit einem toten Kriminologen zu tun, der die steile These vertreten hat, „kriminelle Gefährlichkeit“ sei erblich veranlagt. In „Der unauslöschliche Makel“ (OT: „The Inedible Stain“) schlagen sich Hatahaway und Lewis also mit lauter Verdächtigen herum, die sich selbst für oberschlaue Kriminalisten halten. Kein Wunder, dass dann nicht gerade  gegenseitige Sympathie vorherrscht. Tim Fywells Krimi fügt sich nahtlos in die Reihe ein und auch die Story von Simon Block weiß zu überzeugen.

Szenenfoto_6Wie immer bei „Lewis – Der Oxford Krimi“ kommen auch prominente britische Darsteller zum Zug, die man aus Kinoproduktionen kennt. Das wertet die Serie qualitativ ebenso auf wie die kleinen Nebenhandlungen, die die Autoren regelmäßig in die Folgen einbauen. Mal ist es eine selbsternannte Miss Marple, die sich in die Ermittlungen einmischt, mal sind es die Andeutungen kleiner privater Geplänkel bei den beliebten Ermittlern.

Ein bisschen hat die Strahlkraft des Ermittlerduos in der akademischen Scheinidylle von Oxford im Lauf der Jahre vielleicht an Charme verloren. Wie auch bei vergleichbaren Formaten wird den Charakteren nicht eben viel Entwicklung zugestanden, Hathaway und Lewis etwa tun sich aus höchst unterschiedlichen Gründen noch immer schwer mit Beziehungen  und auch in ihrem beruflichen Umfeld verändert sich kaum etwas. Gewiefte, mitdenkende Krimizuschauer werden zudem schneller auf den oder die Täter kommen, als das zu Beginn der Serie der Fall war. Motive und Muster beginnen sich zu wiederholen. Unterhaltsam bleibt das erfolgreiche britische Format allerdings immer noch.

Derbe Sozialstudien braucht man im kleinstädtischen Oxford nicht zu befürchten.  Wer sich an klassischen Krimis erfreuen kann, die sich im Wesentlichen auf die Suche nach dem Täter konzentrieren und von clever konstruierten Mordfällen ihre Spannung beziehen, liegt bei „Lewis – Der Oxford Krimi“ auch in der nunmehr sechsten Staffel noch immer goldrichtig. Alte Schule von der charmanten Art.

Movie Rating: ★★★★★★½☆☆☆ 

DVD-Cover_Lewis_6_grossLewis – Der Oxford Krimi – Staffel 6
OT: Lewis Season 6
Genre: TV-Serie, Krimi
Länge: 354 Minuten, UK, 2012
Regie: Tim Fywell, Brian Kelly, David O’Neill, Nicholas Renton
Drehbuch: Rachel Bennette, Simon Block, Patrick Harbinson, Russel Lewis
Darsteller: Kevin Whatley, Laurence Fox, Claire Holman,
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Edel
DVD-VÖ: 09.05.2014

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