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Nemesis von Mark Millar & Steve McNiven

09.11.11 (Comic, Superhelden)

nemesis-cover-vorschauInzwischen dürfte der Name Mark Millar auch denen etwas sagen, die mit Comics nicht allzu viel am Hut haben. Der Schotte ist einer der angesagten Autoren im Superhelden-Genre und wenn Millar einen neuen Comic herausbringt, sind die Erwartungen entsprechend hoch. Zusammen mit Zeichner Steve McNiven entstand 2010 die Mini-Serie „Nemesis“, die seit Ende September auch auf Deutsch zu haben ist. Mal sehen, was Nemesis so drauf hat.

Nemesis ist ein Superschurke, der sich nach der griechischen Rachegöttin benannt hat und mit akribischer Planung und absoluter Ruchlosigkeit weltweit auf Polizistenjagd geht. Dabei stehen der Waise aus reichem Haus unbegrenzte Finanzmittel zur Verfügung, um seine Chaostheorie auch imposant umzusetzen. Gleich zu Beginn legt der weißgewandete Finsterling halb Tokio in Schutt und Asche, nur um den japanischen Vorzeige-Cop auf hinterhältige Weise zu demütigen und zu töten.

Nemesis-adAnschließend rückt der Washingtoner Polizeichef Blake Morrow ins Visier des superreichen Superschurken. Und der toughe Cop, der trotz leitender Funktion alles andere als ein Sesselpuper ist, muss sich warm anziehen, um gegen Nemesis‘ ausgefeilte Pläne bestehen zu können. Die leibhaftig gewordene weiße Rache kennt keine Skrupel, bedroht großkotzig das Weiße Haus, die ganze Stadt und den US-Präsidenten. Und auch Morrows Familie, die sich nicht länger hinter der heilen, bürgerlichen Fassade verstecken kann, gerät schonungslos in das Getriebe von Nemesis Rachemaschinerie.

Es geht schon mächtig brutal und absolut nicht politisch korrekt zu in Millars neuestem Streich „Nemesis“. Aber das ist auch nicht zu erwarten, wenn Millar aus der hypothetischen Frage, was wäre, wenn Batman ein absoluter Fiesling wäre, einen Comic entwickelt. Steve McNiven setzt die Gewaltorgien angemessen blutrünstig um, und wer einfach gewalttätigen Comic-Spaß haben will, ist mit „Nemesis“ bestens bedient.

Doch bei Mark Millar sollte mehr drin sein, schließlich hat der Gute etliche Superhelden wiederbelebt und zu neuem Ruhm geführt („Superman Adventures“, „Ultimate X-Men“), mit „Wanted“ und „Kick-Ass“ wahrlich moderne Genre-Klassiker geschaffen, die wunderbar gekonnt und mit einigem Humor das Superhelden-Genre beleben und es sogar zu Filmehren gebracht haben. Man munkelt, dass auch die Filmrechte für „Nemesis“ schon vergeben sein sollen: Tony Scott („Last Boy Scout“) soll großes Interesse haben, den Stoff zu verfilmen.

1130336-85_millar___mcniven_s_nemesis_3Aber nun mal langsam, denn ganz so grandios wie erhofft ist „Nemesis“ nicht ausgefallen. Das mag auch am Zeichenstil von Steve McNiven liegen, dessen Figuren in den Actionsequenzen etwas hüftsteif wirken, aber kompositorisch, choreographisch und erzähltechnisch sind die Panels absolut gelungen. Millars Story ist nicht gerade ausgefeilt; man hat beim Lesen das Gefühl, da wäre mehr drin gewesen beziehungsweise, da hätte es ruhig noch ausführlicher sein können, aber für einen netten Twist reicht es bei Millar immer noch und das Konstrukt der Geschichte ist absolut tragfähig.

Was bei „Nemesis“, zumindest für mich, am wenigsten funktioniert ist der an Spionage-Thriller angelehnte, sprunghafte (globale) Ortswechsel, der für viel Tempo sorgen soll, ähnlich wie beim Film die schnellen Schnitte. Allerdings sorgt das gerade zu Beginn der Story ebenso für ein sehr abgehacktes, kurzatmiges Erzählen. Hier verpuffen Storypotential und Atmosphäre.

Fazit: „Nemesis“ von Mark Millar und Steve McNiven ist bitterböse Comicunterhaltung, die brutal mit dem Superhelden-Genre spielt, und auf den schnellen Kick setzt, das geht eindeutig zu Lasten der Story, ist aber völlig legitim. „Nemesis“ hat weder die Klasse von „Wanted“ noch den Witz von „Kick-Ass“, ist aber gelungen und Fans brauchen sowieso keine Kritiken. Um es mit dem Titel des Live-Albums der Thrash-Metaller Exodus zu sagen: „Good Friendly Violent Fun.

Book Rating: ★★★★★★½☆☆☆ 

nemesis-coverMark Millar & Steve McNiven: „Nemesis“
OT: „Nemesis“
Autor: Mark Millar, USA 2010
Genre: Comic, Superhelden,
Zeichner: Steve McNiven
Farben: Dave McCraig
Übersetzung: Bernd Kronsbein
Lettering: Alessandro Benedetti
Empfohlen ab 18 Jahren
ISBN: 9-783862-011902
Verlag: Panini Comics, 108 Seiten.
VÖ: 20.09.2011

Weiterführende Links:
Nemesis bei Panini
Leseprobe bei Mycomics.de
Offizielle Mark Millar Homepage

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